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    Video: Die Make-up-YouTuberin, die sich selbst verschwinden lässt

    Video: Die Make-up-YouTuberin, die sich selbst verschwinden lässt


    Viele YouTuber und YouTuberinnen verdienen ihr Geld durch Make-up-Videos, die Millionen Klicks bringen. So auch Kika. Anstatt jedoch zu erklären, wie man richtig konturiert oder Sommersprossen aufmalt, hat sich die Serbin auf aufwendige Illusionen...

    Viele YouTuber und YouTuberinnen verdienen ihr Geld durch Make-up-Videos, die Millionen Klicks bringen. So auch Kika. Anstatt jedoch zu erklären, wie man richtig konturiert oder Sommersprossen aufmalt, hat sich die Serbin auf aufwendige Illusionen spezialisiert. So lässt sie mithilfe ihrer Schminke schon mal ganze Körperteile verschwinden, verknotet ihren Magen oder verwandelt sich in eine Holzpuppe. Dank ihrer verblüffenden Videos hat Kika schon knapp eine halbe Million Follower angesammelt – ein Erfolg, den sie vor ein paar Jahren noch für unmöglich hielt.

    Unsere Kollegen haben Kika zu Hause in Serbien besucht, um herauszufinden, was hinter den Videos der Make-up-Künstlerin steckt und wie genau sie ihr Hobby zum Beruf gemacht hat.

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    Das passiert mit deinem Körper, wenn du häufig Fast Food isst

    Das passiert mit deinem Körper, wenn du häufig Fast Food isst


    Dieser Artikel ist zuerst bei Tonic erschienen. Folge Tonic bei Facebook. Vor zwei Wochen ließ ich es mit einem Kumpel am Drive-in-Schalter einer McDonald's-Filiale richtig krachen: Wir bekamen mehrere McMenüs und eine 10er-Packung Chicken McNuggets...

    Dieser Artikel ist zuerst bei Tonic erschienen. Folge Tonic bei Facebook.

    Vor zwei Wochen ließ ich es mit einem Kumpel am Drive-in-Schalter einer McDonald's-Filiale richtig krachen: Wir bekamen mehrere McMenüs und eine 10er-Packung Chicken McNuggets ins Auto gereicht. Jedes Menü hatte dabei schätzungsweise 1.400 Kalorien. Als wir unsere Bestellung aßen, starrten wir fast wortlos wie in Trance durch die Windschutzscheibe. Und nachdem ich die letzten Reste der Süß-Sauer-Soße ausgekratzt hatte, schwor ich mir, bis zu meinem nächsten Fast-Food-Gelage mindestens drei Monate lang zu warten.

    Nicht nur der plötzliche Kalorien-Überschuss brachte mich zu dieser Entscheidung, sondern auch das instinktive, unangenehme Gefühl, meiner Gesundheit gerade ziemlich geschadet zu haben. 2004 zeigte der Regisseur Morgan Spurlock in seiner Dokumentation Super Size Me durch einen Selbstversuch auf, welche Folgen übermäßiger Fast-Food-Konsum nach sich zieht. Mich beeindruckte der Film damals nicht, ich fühlte mich mit meinen 27 Jahren quasi unzerstörbar. In den darauffolgenden 14 Jahren sind jedoch eine ganze Reihe neuer Studien und Indizien aufgetaucht, die regelmäßigen Fast-Food-Konsum mit einer langen Liste an negativen gesundheitlichen Konsequenzen verknüpfen. Mithilfe von Experten haben wir uns angeschaut, was das genau für deinen Körper bedeutet.

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    Das Erinnerungsvermögen und die kognitiven Funktionen nehmen ab

    Jedes Mal, wenn ich in einem Fast-Food-Restaurant in mein fettiges Essen beiße, sagt eine herablassende Stimme in meinem Kopf, dass bei mir wohl etwas falsch laufen müsse. Diese Stimme hat womöglich Recht. "Wir wissen schon lange, dass sich gesättigte Fette negativ auf das Herz auswirken können. Weitere Forschungen legen aber auch nahe, dass eine übermäßige Aufnahme von gesättigten Fetten der Gehirnfunktion und dem Erinnerungsvermögen schaden können", sagt die Ernährungsberaterin Marisa Moore.

    Es wäre falsch, gesättigte Fette jetzt allgemein zu verteufeln. Große Mengen davon führen allerdings zu einer gefährlich unausgeglichenen Ernährung – vor allem dann, wenn man anstatt guter Fette, Kohlenhydrate und Protein noch viel Zucker dazu in sich reinfrisst. Eine Studie der Oregon State University aus dem Jahr 2015 hat gezeigt, dass eine fett- und zuckerreiche Ernährungsweise die Darmbakterien verändert. Und diese Veränderungen scheinen wiederum einen beträchtlichen Verlust der "kognitiven Flexibilität" zur Folge zu haben. Mit anderen Worten: Man kann sich dann nur noch schwer an sich wandelnde Situationen anpassen.

    Du erhöhst unter Umständen das Depressions-Risiko

    Eigentlich hätte McDonald's seinem Happy Meal keinen unpassenderen Namen geben können. Menschen, die regelmäßig Fast Food essen, sind laut einer Studie aus dem Jahr 2012 eher für Depressionen anfällig, sind mit größerer Wahrscheinlichkeit Single, arbeiten länger, essen weniger Obst und Gemüse und rauchen. Viele Menschen bekämpfen ihre Depressionen mit einer Therapie oder Medikamenten. Die Ernährungsberaterin Amy Shapiro rät aber auch zu Nährstoffen wie B-Vitaminen oder Omega-3-Fettsäuren. Bei Voruntersuchungen sei nämlich herausgekommen, dass genau diese Nährstoffe mit einem Rückgang von Depressionen zusammenhängen. Und wie du dir vielleicht schon denken kannst, sind diese Nährstoffe in Fast Food kaum bis gar nicht enthalten.

    Fast Food ist der schnellste Weg zu Fettleibigkeit

    Statt einer ausgewogenen Ernährungsweise nur noch Fast Food: Wenn du einen solchen Wandel hinlegst, würdest du plötzlich viel mehr "leere" Kalorien zu dir nehmen. So beschreibt man häufig Lebensmittel, die zwar viele Kalorien, sonst aber kaum essenzielle Nährstoffe liefern. Innerhalb kurzer Zeit würde sich das merklich auf deinen Körper und deine Gesundheit auswirken. "Fast Food setzt sich aus Lebensmitteln mit viel Kalorien zusammen. Diese Lebensmittel enthalten zudem viele Kohlenhydrate und Zucker, aber kaum Ballaststoffe", sagt der Ernährungswissenschaftler Jim White. Wenn man andauernd solches Zeug isst, führt das White zufolge zu Insulinresistenz, was wiederum massiv zur Gewichtszunahme beitrage. In einer aktuellen Studie haben sich Wissenschaftler damit beschäftigt, wie Fast Food und Fettleibigkeit sowie Bluthochdruck bei Kindern zusammenhängen. Die Ergebnisse überraschen kaum.

    Gleichzeitig verhungerst du

    Also zumindest in Bezug auf Nährstoffe. Fast Food enthält zwar viele Kalorien, dafür ist die Nährstoffdichte sehr niedrig. Wenn du dich also hauptsächlich von Burgern und Pommes ernährst, fehlen deinem Körper die nötigen Nährstoffe, um ordentlich zu funktionieren. "Der Körper ist dann zwar temporär satt, aber das Essen liefert nicht die nötige Nahrungsgrundlage. So nimmt man zwar viele Kalorien auf, wird aber nicht lange satt bleiben", erklärt die Ernährungsberaterin Shapiro.

    Die Krebswahrscheinlichkeit steigt

    Laut einer Studie des National Toxicology Programs vom US-Gesundheitsministerium verursacht die chemische Verbindung 2-Methylimidazol bei Laborratten Krebs. Das ist nicht gut, denn 2-Methylimidazol ist ein Bestandteil der Lebensmittelfarbe Zuckerkulör. Und die findet man in vielen dunklen Soßen und Limonaden. Es wird aber noch schlimmer: Zuckerkulör enthält zudem 4-Methylimidazol. Forscherinnen und Forscher haben die Auswirkungen von 4-Methylimidazol auf Nagetiere untersucht und sind zu dem Schluss gekommen, dass es eindeutige Anzeichen einer krebserregenden Wirkung von 4-Methylimidazol in männlichen und weiblichen Labormäusen gebe.

    Shapiro weist darauf hin, dass heißes Fett und frittiertes Essen das Krebsrisiko erhöhen können. Und im Fast-Food-Betrieb wird Öl häufig zu stark erhitzt oder Fleisch verkohlt. "Dazu kommt, dass neben dem möglichen Einsatz von Pestiziden auch Antibiotika und Hormone in minderwertigem Fleisch zu höheren Krebsraten beitragen können", sagt Shapiro. Und solange sie kein Obst und Gemüse essen, das viele Antioxidantien enthält, fehlten Fast-Food-Liebhabern die Abwehrstoffe gegen die krebserregende Wirkung ihrer Lieblingsmahlzeiten.

    Auch Herzkrankheiten können öfter auftreten

    Die Fette, die man normalerweise in Fast Food findet, bestehen vor allem aus gesättigten Fettsäuren. Sie stammen oft von Tieren oder pflanzlichen Ölen. Wie Jim White erklärt, könne durch diese Fette der Cholesterinspiegel im Blut steigen – und das erhöht wiederum das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Wie sich bei einer niederländischen Studie herausgestellt hat, wirkt es sich schon messbar auf die Gesundheit des Herzens aus, wenn man nur in der Nähe eines Fast-Food-Restaurants wohnt: Bereits im Umkreis von 500 Metern eines solchen Etablissements besteht bei Erwachsenen ein größeres Risiko, an einem Herzleiden zu erkranken, als bei Menschen, die weiter weg leben.

    Dein Darm und Fast Food sind keine Freunde

    Ballaststoffe kommen in verschiedenen Obst- und Gemüsesorten vor, außerdem in Vollkornprodukten, in Nüssen und in Samen. Sie spielen für unser Verdauungssystem eine wichtige Rolle, denn sie sorgen mit dafür, dass bei der "Entsorgung" von Schadstoffen im Verdauungstrakt alles reibungslos funktioniert. Sie helfen dabei, dass Cholesterin- und der Blutzucker-Spiegel normal bleiben. "Leider enthalten die meisten Fast-Food-Produkte nur wenig Ballaststoffe", sagt der Ernährungswissenschaftler Jim White. Und tatsächlich, die medizinische Forschungsabteilung des US-Gesundheitsministeriums legt nahe, auf Fast Food zu verzichten, wenn du auf dem Klo immer etwas länger brauchst.

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    Gewinner von Milliarden-Dollar-Jackpot meldet sich nicht

    Gewinner von Milliarden-Dollar-Jackpot meldet sich nicht


    Am 23. Oktober wurden die Zahlen für den zweitgrößten Jackpot der Lotto-Geschichte gezogen. Und es gab genau einen Tippschein mit sechs Richtigen, dessen Besitzerin oder Besitzer die 1,54 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 1,36 Milliarden Euro,...

    Am 23. Oktober wurden die Zahlen für den zweitgrößten Jackpot der Lotto-Geschichte gezogen. Und es gab genau einen Tippschein mit sechs Richtigen, dessen Besitzerin oder Besitzer die 1,54 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 1,36 Milliarden Euro, entgegennehmen darf. Medienberichten zufolge hat sich bislang allerdings noch niemand bei den entsprechenden Stellen gemeldet. Lotterie-Zuständige in South Carolina, wo der Schein abgegeben wurde, haben der Person empfohlen, sich eine Finanzberatung zu suchen, den Gewinnschein zu unterschreiben und das Geld sicher aufzubewahren.

    Offiziell hat die Person mit den sechs Richtigen bis zum 21. April 2019 Zeit, um in erlesene Milliardärskreise aufzusteigen, aber wir können uns nur schwer vorstellen, wie jemand ein so großes Geheimnis so lange mit sich herumschleppt. Ich bekomme schon mittelschwere Panikattacken, wenn ich am Flughafen auf meinen ausgedruckten Boardingpass aufpassen muss – und da könnte ich im schlimmsten aller Fälle einfach nach einer neuen Kopie fragen. Auf keinen Fall würde ich so ein unersetzliches Stück Papier im Wert einer verdammten Privatinsel länger mit mir rumschleppen als unbedingt nötig.

    Um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, was sich gerade vielleicht im Kopf des oder der Glücklichen abspielt, habe ich Jason Kurland angerufen. Er nennt sich selbst Lotto-Anwalt und hat mir schon einmal erklärt, was du am besten mit einem Jackpot anstellst. Dieses Mal wollte ich wissen, ob die Antwort möglicherweise einfach nur "nichts" lautet. Jeder kennt Geschichten von Leuten, deren Leben durch plötzlichen Reichtum ruiniert wurden. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum noch niemand Anspruch auf das Geld erhoben hat. Der Jackpot ist einfach zu groß, um ihn einzulösen, wenn man danach noch ein irgendwie normales Leben führen will.

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    VICE: Stimmt es, dass die meisten Menschen aus strategischen Gründen erst später ihren Gewinn abholen?
    Jason Kurland: Ja, und es gibt einen Haufen Gründe dafür. So lange ist es jetzt auch noch nicht her. Gewinner wollen sichergehen, dass sie sich vorher um alles gekümmert haben. Sie wollen ihren Nachlass geregelt haben. Sie wollen einen Finanzplan. Manchmal wissen die Menschen am nächsten Tag noch gar nicht, dass sie gewonnen haben. Es wäre zwar sehr unwahrscheinlich, aber ich hatte schon ein paar Menschen, die ein paar Wochen lang gar nicht wussten, dass sie den Jackpot geknackt hatten. Je länger es dauert, desto nervöser werden alle wahrscheinlich, dass jemand den Schein weggeworfen hat oder noch nichts von seinem Glück weiß.

    Liegen diese drei Wochen noch im Rahmen?
    Es ist noch nicht so viel Zeit vergangen, dass ich nervös werde. Aber wir bewegen uns langsam dorthin. Ich hatte schon Gewinnerinnen und Gewinner, die mich noch am gleichen Abend angerufen haben. Die längste Zeit war wohl ein Monat nach der Ziehung. Aber auch dann lösen die Leute nicht sofort ihren Schein ein. Sie rufen mich drei, vier Wochen nach der Ziehung an und lassen sich dann noch einmal drei Wochen Zeit, um alles vorzubereiten. Wenn mehrere Leute mit dem Wettschein getippt haben, gibt es möglicherweise auch mehr zu klären.

    Kann es ein Fehler sein, sich nicht sofort zu melden?
    Bei so viel Geld – ich rechne das mal schnell vor – sprechen wir selbst bei konservativen Anlagen von 65.000 US-Dollar Zinsen pro Tag, die du dir durch die Lappen gehen lässt, wenn du das Geld nicht abholst. Das ist eine unfassbare Menge Geld.

    Was passiert, wenn niemand den Schein einreicht?
    Mit der Sechsmonatsfrist ist man extrem streng. Wenn du einen Tag zu spät dran bist, ist das Geld futsch. Wenn du es richtig anstellen willst, dann informier dich, sicher dich gut ab. So ein Gewinn sollte dir definitiv nicht das Leben ruinieren. Er sollte ein Geschenk sein. Es gibt so viel Gutes, das du für dich selbst, deine Freunde, deine Liebsten, wohltätige Zwecke oder die Gesellschaft tun könntest. Es eröffnet dir so viele neue Möglichkeiten.

    Aber wir wissen doch alle, dass so viel Schlimmes passieren kann, wenn alle wissen, dass du stinkreich bist.
    In South Carolina kannst du anonym bleiben. Das variiert in den USA allerdings von Bundesstaat zu Bundesstaat. Bei manchen braucht es eine Pressekonferenz, andere werden deinen Namen veröffentlichen, wieder andere lassen dich das Geld durch einen Anwalt entgegennehmen und in manchen kannst du komplett anonym bleiben. South Carolina gehört zur letzten Kategorie.

    Hattest du mal Menschen, die panisch überlegt haben, ob sie den Schein überhaupt einlösen wollen? Kann einem so eine unfassbare Summe nicht auch Angst machen?
    Ja, viele Menschen geraten in Panik, wenn sie gewinnen. Aber niemand ist so weit gegangen, das Geld nicht zu nehmen. Eine halbe Milliarde oder so auf dem Konto zu habe, überwiegt den Stress am Ende doch.

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    Menschen erzählen, warum sie aus einem Club geflogen sind

    Menschen erzählen, warum sie aus einem Club geflogen sind


    Es ist die zentrale Frage unserer Zeit: Wie komme ich in einen Club? Ganze Generationen haben versucht, darauf die eine Antwort zu finden, es wurden Bücher geschrieben, Dresscodes und Verhaltensmuster einstudiert. Die Angst vor dem Türsteher, dieser...

    Es ist die zentrale Frage unserer Zeit: Wie komme ich in einen Club? Ganze Generationen haben versucht, darauf die eine Antwort zu finden, es wurden Bücher geschrieben, Dresscodes und Verhaltensmuster einstudiert. Die Angst vor dem Türsteher, dieser menschlichen Wand, die zwischen uns und dem puren Vergnügen im Inneren des Clubs steht, ist so groß, dass wir es häufig versäumen, über eine noch wichtigere Frage nachzudenken: Wie schaffe ich es, in einem Club auch drin zu bleiben?

    Das sollte einfach sein, denken wir leichtsinnig, rausfliegen kann man schließlich nur aus wirklich gewichtigen Gründen. Das passiert nur den Chaoten und Kaputten, die auf die Tanzfläche pinkeln, den Türsteher umwrestlen oder von der Bar Kokslines ziehen. Aber das ist FALSCH. Es kann jedem passieren und es ist vielen von uns schon geschehen. Menschen haben uns erzählt, warum sie aus Clubs geflogen sind.

    Nick, 36

    Ich hatte in einer nordbayerischen Kleinstadt-Ballermanndisco etwa eine halbe Flasche Absinth und sicherlich einige Biere verkostet. Irgendwann hatte ich den genialen Einfall, einen Feuerlöscher aus seiner Halterung zu reißen, vor den Laden zu treten und eine kleine Schaumparty zu veranstalten. Schaumpartys waren groß Mitte der 2000er. Fast so groß wie die Angst vor diesem undefinierbarem Pulver, das Terroristen in Briefen verschickten, um die Welt mit Viren zu überziehen. Ich wusste nicht, dass direkt neben der Disco ein islamisches Kulturzentrum war. Aber aus diesem Grund dachte wohl irgendeine andere besoffene Person, das Pulver aus meinem Feuerlöscher sei in Wirklichkeit ein Terroranschlag. Und rief die Polizei. Ich weiß nicht mehr, welchen Part die Türsteher am wenigsten geil fanden. Jedenfalls zogen sie mir 50 Euro für den Feuerlöscher aus der Tasche und warfen mich raus.

    Laura, 26

    Früher ging ich oft alleine in Clubs feiern. Mir ging es zu dieser Zeit psychisch ziemlich mies und ich dachte, dass ich so vielleicht leichter neue Leute kennenlerne. Ich war damals gerade nach Lausanne gezogen, nachdem ich wegen Depressionen, Suizidgefährdung und starkem Suchtverhalten in einer Klinik behandelt wurde. Es fiel mir schwer, in der neuen Stadt neue Freundschaften zu schließen und ich fühlte mich sehr einsam. Ich versuchte, mit Alkohol und Drogen meine Trauer zu ertränken – und bekam Psychosen. In einer Nacht fing ich im Rausch an, in den anderen Clubbern Gestalten mit entstellten Fratzen zu sehen. Als zwei Gäste im Gang zur Toilette rumknutschten und mich dabei aus Versehen schubsten, rastete ich aus. Ich packte die eine Person und stieß sie mit aller Kraft gegen die andere, sodass beide gegen die Wand prallten. Dabei schrie ich sie an – und alle, die dazukamen, um einzugreifen. Irgendwann wollte ich mich mit allen prügeln und warf dabei jemanden zu Boden. Erst die Securitys schafften es, mich rauszuwerfen. Draußen waren sie extrem einfühlsam mit mir. Sie trösteten mich, als ich mich bei ihnen ausheulte, und gaben mir einen kleinen Sandball zum Wutabbau mit. Den nahm ich in den nächsten Monaten überall hin mit. Hausverbot im Club hab ich trotzdem bekommen.

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    Jonas, 30

    Mit 20 habe ich in einem Hamburger Club betrunken mit der Freundin eines Kumpels rumgemacht. Sie hat sich auf den Barhocker des Türstehers gesetzt, um mit mir zu knutschen. Leider waren wir so dicht, dass wir die Balance verloren haben und mit dem Hocker aus der Clubtür raus auf die Straße gefallen sind. Das war dem Türsteher zu doll. "So jetzt ma' gut hier. Raus!", rief er. Die Aktion war schon einigermaßen würdelos. Die Strafe kam aber am nächsten Tag mit dem Kater und dem schlechten Gewissen vor meinem Kumpel.

    Ilona, 21

    Ich hatte eine Zeit lang etwas, was man zurückhaltend als alkoholinduziertes "Aggressionsproblem" bezeichnen könnte. Wenn ich viel getrunken habe, reichte die kleinste Situation, um mich komplett explodieren zu lassen – ein bisschen wie Scarface, nur mit billigem Sekt statt Kokain. An einem Abend hatte ich mich von einer Freundin überreden lassen, mit ihr zu einer wirklich schlechten Party zu gehen. Musik schrecklich, Club schrecklich, Leute schrecklich. Und dann war es da auch noch eng. Als ich zum bestimmt zehnten Mal geschubst wurde, reichte es mir. Ich stieß einen Typen, der sich an mir vorbeigedrängelt hatte, gegen eine Wand. Und vielleicht, möglicherweise, habe ich ihm daraufhin gesagt, dass ich ihm die Nase breche, wenn er das nochmal macht. Der Typ rief dann die Türsteher, die mich ruhig, aber bestimmt Richtung Ausgang begleiteten, während ich weiter unflätig fluchte.

    Lars, 35

    Vor einigen Jahren war ich bei der Echo-Aftershowparty. Kurz vor Ende der Veranstaltung kam ein Freund von mir auf die Idee, sich hinter die Bar zu stellen und mit den Barkeeperinnen noch ein paar ordentliche Longdrinks zu mixen. Diese Aktion endete damit, dass er von zwei gorillagroßen Security-Männern herausgetragen wurde. Als die beiden mich im Vorbeigehen fragten, ob ich auch dazu gehörte, druckste ich rum: "Na ja …" Das hatte ihnen schon gereicht. Sie haben mich dann auch zu zweit untergehakt und mich und meinen Kumpel auf dem bescheuerten lila Teppich abgesetzt. Mein Freund meinte dann: "Komm, lass in den Puff! Da sind wir um diese Zeit auch noch willkommen!" Ich habe ihn allerdings noch davon abhalten können.

    Anna, 23

    Ich bin vor Kurzem aus einem Club geflogen, weil ich betrunken eine Flasche Limo mit reinschmuggeln wollte. Mein Kumpel und ich hatten schon Eintritt bezahlt und unsere Jacken abgegeben. Die Limo habe ich so unter meinem Arm versteckt, dass man sie nicht sieht. Meine Begleitung hat mir die Flasche beim Abtasten des Türstehers kurz abgenommen. Und als er dran war, habe ich sie zurück in ihr Versteck gepackt. Es war eigentlich eine ziemlich gekonnte Aktion. Aber ich bin eben einfach ein ziemlicher Tollpatsch: Genau in dem Moment, in dem der zweite Türsteher uns die Tür zur Tanzfläche öffnete, fiel mir die Flasche runter. Und wir flogen wieder raus. Das war schon ziemlich peinlich.

    Rebecca, 26

    Als ich 17 war, wollten mein Ex, ein paar Freunde und ich unbedingt in diesen vornehmen Club, in dem die ganzen Rich Kids jedes Wochenende feierten. Als der Türsteher uns reinließ, waren wir so glücklich, als hätte uns jemand das monatliche Taschengeld der anderen Besucher aufs Konto überwiesen. Wir gaben unser Zeug in der Garderobe ab und liefen Richtung Tanzfläche. Der andere Türsteher fand die Outfits unter unseren Jacken aber offenbar weniger geil als erwartet. Er sagte meinem Ex, sein billiges Hemd passe nicht zum Club und eskortierte uns raus. Natürlich haben wir die zwei Euro für die Garderobe an der Kasse zurückverlangt.

    Kilian, 29

    Meine Freundin und ich wurden aus einem Berliner Club geworfen, weil sich bei einer völlig überfüllten Techno-Nacht wahnsinnig lange Schlangen vor allen Klos gebildet hatten. Sie musste dringend, wir sind raus auf den Hof. In einer dunklen Ecke hat sich meine Freundin über die Regenrinne gehockt und gepinkelt. Als sie fertig war und niemand rausgekommen war, wollte ich auch schnell. Als ich es gerade laufen ließ, hörte ich den Security von hinten: "Das ist nicht dein Ernst, oder?" Wir wurden zur Gaderobe begleitet und rausgebracht.

    Joleen, 27

    Zürich, Schweiz, normaler Samstagabend, irgendein Club: zwei Kabinen für die Frauen, fünf Pissoirs und zwei Kabinen für die Männer. In Berlin gehe ich auch auf die Männertoilette, wenn es schnell gehen muss. In Zürich habe ich das auch versucht. Und flog raus: Sofort kam der Türsteher und zeigte auf die Regeln an der Klotür. "Keine Frauen auf dem Herren-WC." Dann forderte er mich dazu auf, den Club zu verlassen. Hallo, 2018? Ich habe ihm gesagt, dass ich nur noch kurz meine Jacke holen muss. Dann bin ich in der Menge untergetaucht und habe weiter getanzt. Leider war ich mit meinen hohen Schuhen ungefähr 1,82 Meter groß. Zehn Minuten nach meiner Flucht wurde ich von zwei Türstehern mit Taschenlampe und festem Griff durch den Club geschleift. Ich kannte den Clubbesitzer, den DJ, die Barkeeper und ungefähr die Hälfte aller Gäste, mir war das ziemlich peinlich. Doch am Ende rettete das meinen Abend: Nach zwanzig Minuten Überredungskunst (immerhin kam ich mit dem DJ in den Club) und einer persönlichen Entschuldigung beim Ober-Türsteher durfte ich wieder rein.

    Nina, 28

    Aus dem Club fliegen gehörte in meinen jungen Partyjahren quasi zum Standard. Meistens war ich daran jedoch nicht direkt schuld, sondern mein damaliger Freundeskreis. Der bestand zu 90 Prozent aus übermütigen Jungs mit niedriger Alkoholtoleranz. Einmal bin ich aber tatsächlich selbst für meinen Rauswurf verantwortlich gewesen. In München traf ich im Club einen Typen wieder, der mich beim Oktoberfest wenige Stunden zuvor von einer Bierbank aus beschimpft und mit Hühnchen beworfen hatte. Er hatte seine Freundin niedergebrüllt, ich hatte sie getröstet. Zum Dank bewarf er mich mit Essen. Wisst ihr eigentlich, wie viel ein halbes Hendl auf der Wiesn kostet?! Im Club revanchierte ich mich mit dem gleichen Verhalten bei ihm – nur dass ich mit Eiswürfen statt Essensresten auf ihn warf. Leider kannte der Typ die Clubbesitzer. Und ich flog hochkant raus. Wieder einmal hatte das Patriarchat gewonnen.

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    Legales Cannabis würde Deutschland Milliarden einbringen

    Legales Cannabis würde Deutschland Milliarden einbringen


    Angenommen, es würde hier nicht um Cannabis, sondern um Kartoffeln gehen. Alle fänden es gut, dass sie legal sind. Dass Behörden ihre Qualität kontrollieren, sie Steuergelder einbringen, Arbeitsplätze schaffen und die Polizei endlich keine...

    Angenommen, es würde hier nicht um Cannabis, sondern um Kartoffeln gehen. Alle fänden es gut, dass sie legal sind. Dass Behörden ihre Qualität kontrollieren, sie Steuergelder einbringen, Arbeitsplätze schaffen und die Polizei endlich keine Kartoffeldealer mehr jagen muss. Und das, obwohl man aus Kartoffeln Alkohol machen kann. Aber bei Cannabis ist das anders. Obwohl wenig dafür spricht, ist der Freizeitkonsum immer noch illegal. Die Gründe haben oft mit Irrationalität und Dogmatismus zu tun. Deshalb muss man zu so absurden Vergleichen greifen wie dem mit der Kartoffel. Und deshalb gibt es jetzt eine Studie, die ganz nüchtern zeigt, wie viel Geld dem Staat durch das Cannabis-Verbot entgeht.

    Der deutsche Hanfverband hat die Studie in Auftrag gegeben, durchgeführt wurde sie von einem Team um den Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap. Der Hanfverband ist eine Lobbyorganisation, die sich für die Legalisierung von Cannabis einsetzt. Natürlich kommt es ihr da gelegen, wenn die eigene Studie ergibt, dass dem Fiskus jedes Jahr 2,66 Milliarden Euro entgehen. Aber Befangenheit kann man der Untersuchung nicht vorwerfen.

    Auch bei VICE: Wie das Cannabis-Verbot in Großbritannien versagt

    Die Autorinnen und Autoren zählen sachlich sowohl die Argumente für als auch die gegen eine Legalisierung auf. Dabei verrät dieser Part nichts Neues. Dass die Prohibition von Cannabis viel Geld kostet, aber wenig bringt, weil trotzdem immer mehr Menschen kiffen, ist weitgehend bekannt. Schon 2014 haben 122 Juraprofessorinnen und -professoren gefordert, Gras voll zu legalisieren – genauso wie Kriminalbeamte. Auch dass eine Legalisierung dem illegalen Markt weitgehend die Grundlage entziehen würde, ist logisch. Und ebenso, dass man Konsumierende besser vor gesundheitsschädlichen Streckmitteln schützen könnte, wenn der Staat die Qualität kontrolliert.

    Nicht mal die Bundesregierung weiß, wie viel Geld sie durch Cannabis einnehmen würde

    Neu an der Studie (PDF) ist, dass jemand mit hohem Aufwand ausgerechnet hat, wie viel Steuergelder der Staat durch legales Cannabis einnehmen könnte. Und wie viele Ausgaben für die Strafverfolgung man sparen würde. Dazu gab es bislang keine Zahlen. Auch die Bundesregierung hat das noch nicht untersuchen lassen.

    Um herauszufinden, wie viel Steuereinnahmen durch legales Cannabis zu erwarten wären, mussten die Forschenden hinter der Studie erst mal einen Jahresbedarf der deutschen Konsumierenden errechnen. Der Hanfverband selbst geht von bis zu 400 Tonnen aus. Die Autoren liegen mit geschätzten 250 Tonnen für das Jahr 2016 also am unteren Rand. Als Grundlage dienten Zahlen darüber, wie viele Deutsche in einem bestimmten Zeitraum Cannabis konsumiert haben. Diese sogenannten Prävalenzdaten gibt es weltweit, aber auch für Deutschland. Die Studienautorinnen rechneten sie mit Konsumzahlen aus Colorado gegen. In dem US-Bundesstaat ist Cannabis seit 2014 vollständig legal. Seitdem gab es zahlreiche Erhebungen zu Umsätzen und Verkäufen. Wegen der guten Datenlage eigne sich Colorado besonders, um auf Basis dieser Informationen eine Vorhersage für den Cannabis-Jahresbedarf der Deutschen nach der Legalisierung zu berechnen, schreiben die Forschenden.

    Auf dieser Grundlage haben sie jährliche Steuereinnahmen von 1,3 Milliarden Euro berechnet. Eine Cannabis-Steuer könne alleine 650 Millionen Euro einbringen. Wie hoch die Zahl wirklich sei, hänge aber davon ab, wie hoch man Gras besteuern will. Die aktuelle Studie hat sich an den Steuersätzen für Alkohol und Tabak orientiert. Hinzu kämen Einnahmen aus Gewerbe- und Körperschaftssteuer sowie der Lohnsteuer, schreiben die Wissenschaftler. Auch ein geschätztes Sozialversicherungsaufkommen von 279,5 Millionen Euro haben sie berechnet. Und zu all dem komme noch das Geld, das man bei der Polizei einsparen könne.

    Einsparungen bei Polizei und Gerichten

    Wenn sich Polizeibeamtinnen nicht mehr damit beschäftigen müssten, Dealern und Konsumierenden hinterherzulaufen, ließe sich viel Geld einsparen, argumentieren die Wissenschaftlerinnen. Am Ende ihrer Kalkulation kommen sie auf 1,1 Milliarden Euro – auch das ist ein konservatives Ergebnis. Es könnte auch mehr sein. Denn hinzu kämen eigentlich noch Einsparungen bei Staatsanwaltschaften und Gerichten. Aber weil es hierzu keine belastbaren Daten gebe, könne man sie auch nicht berechnen.

    Die 1,1 Milliarden Euro haben die Wissenschaftler mithilfe der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2017 berechnet. Genaue Kosten für die Bekämpfung von Cannabis-Delikten stehen darin nicht. Dafür aber die Zahl der aufgeklärten Cannabis-Delikte. Um auf ihr Ergebnis zu kommen, haben die Studien-Autoren diese Zahl mit allen insgesamt aufgeklärten Delikten verglichen. Und mit diesem Ergebnis haben sie wiederum berechnet, wie viel der 23,833 Milliarden Euro an Polizeikosten jedes Jahr für Cannabis-Delikte anfallen.

    "Das oberste Ziel der Drogenpolitik ist, dass möglichst wenige Leute legale und illegale Drogen konsumieren bzw. drogenabhängig werden", schreiben die Autoren in ihrer Studie. Man kann nicht behaupten, dass das der bisherigen Drogenpolitik gelungen ist. Auch dass Konsumierende möglichst geringen Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind – ein weiteres Ziel erfolgreicher Drogenpolitik – ist nicht der Fall. Deswegen besteht Handlungsbedarf. Die vorliegende Studie kann einen Beitrag dazu leisten, das Nachdenken und die Diskussion um eine bessere Drogenpolitik ein bisschen sachlicher zu machen.

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    Wir haben die Bambi-Verleihung vorausgesagt, damit ihr sie nicht gucken müsst

    Wir haben die Bambi-Verleihung vorausgesagt, damit ihr sie nicht gucken müsst


    Schlechte Nachrichten: Die Bambi-Verleihung gibt es immer noch. Jahr für Jahr nimmt es der Burda-Verlag auf sich, goldene Rehkitze an alle zu verteilen, die bereit sind, drei Stunden gezwungen lächelnd zwischen anderen Profilneurotikern zu hocken und...

    Schlechte Nachrichten: Die Bambi-Verleihung gibt es immer noch. Jahr für Jahr nimmt es der Burda-Verlag auf sich, goldene Rehkitze an alle zu verteilen, die bereit sind, drei Stunden gezwungen lächelnd zwischen anderen Profilneurotikern zu hocken und darauf zu warten, dass die Bar endlich wieder öffnet. Die ARD überträgt live und Deutschland gibt sich für einen Abend der Illusion hin, dass man auch hierzulande Glamour und Entertainment kann. Niemand sollte gezwungen sein, sich diese Verleihung anzugucken – und sei es schon allein deshalb, weil deutsche Preisverleihungen ganz generell an Peinlichkeit und Tristesse kaum zu überbieten sind. Egal ob Echo, Goldene Henne, Deutscher Comedy-Preis oder womit sich deutsche Stars sonst noch so die Schrankwand Eiche-Rustikal vollstellen können.

    Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Mit unserer ganz bestimmt absolut zutreffenden Voraussage für die diesjährige Bambi-Verleihung könnt ihr eure zynischen Powertweets schonmal vorbereiten. Für den Moment, wenn #bambi unter den Trending Hashtags auf Twitter landet – ohne den Scheiß selbst gucken zu müssen! Unternehmt diesen Freitagabend stattdessen irgendwas, das wirklich Spaß macht. Red Dead Redemption 2 spielen oder die letzten 50 Insta-Storys von Kai Pflaume nachholen zum Beispiel. Los geht's.

    Der Rote Teppich

    Die wichtigsten Fotos einer jeden Preisverleihung entstehen nicht dann, wenn Menschen Preise überreichen, Preise entgegennehmen oder frustriert aus dem Publikum heraus dabei zusehen, wie andere Preise überreichen oder entgegennehmen. Nein, das wirkliche Sehen und Gesehenwerden findet vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung statt: auf dem Roten Teppich.

    Auch in diesem Jahr wird "Bambi-Reporter" Jochen Schropp den ankommenden Stars sehr wichtige Fragen stellen. Zum Beispiel: "Wie hält dieses Kleid an deinen Brüsten?", "Warum schon wieder ohne Partner hier?" oder "Wie aufgeregt bist du, dass [insert internationalen Schauspieler here] heute hier ist?". Was man Leute halt so fragt, die man für voll nimmt – ganz unabhängig von ihrem Geschlecht! Just kidding. Solche Fragen werden natürlich ausschließlich den weiblichen Gästen gestellt. Dafür werden die dann aber auch für Fotogalerien abgelichtet, in denen sie sich am Tag nach der Verleihung von Boulevard-Redakteurinnen und -Redakteuren erklären lassen dürfen, warum ihr Outfit ein echter Fail war. Oder, um es mit den Worten von Modeguru Jochen Schropp zu sagen: "Keine Frau sollte beim Bambi aussehen, als würde sie auf einen Abschlussball in der Provinz gehen!"

    Möglicher Power-Tweet: "Beim #bambi werden Frauen auch 2018 noch nur auf ihr Äußeres reduziert, während Männer über ihre aktuellen Projekte reden dürfen. Echt jetzt, @bambi?!"

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    Der Aufreger des Abends

    Schon am Donnerstag, einen ganzen Tag vor der Verleihung, landete #bambi bereits in den Trending Hashtags auf Twitter. Warum? Nun, der Burda-Verlag hatte verkündet, den Sport-Bambi in diesem Jahr doch nicht wie geplant an "eines der kreativsten Spieler-Duos der Bundesliga" verleihen zu können: Franck Ribéry und Arjen Robben. Nach der Niederlage des FC Bayern am vergangenen Samstag, hatte Ribéry nämlich einen französischen Journalisten beleidigt und geohrfeigt. Und das geht so natürlich nicht. Holocaust-verharmlosende Punchlines? Kann man auszeichnen, wenn es sich gut verkauft hat. Den "Wirtschafts-Bambi" für Uli Hoeneß? Gar kein Ding. Frank Ribéry hatte mal Sex mit einer Minderjährigen? Da gucken alternde Entscheider zwar ein bisschen betroffen, high fiven sich aber unterm Stehtisch bei der Aftershow-Party und nominieren den Bundesligaspieler für "Deutschlands wichtigsten Medienpreis".

    So sehr sich Twitter auch schon im Vorfeld über diese Doppelmoral aufgeregt haben mag, der Burda-Verlag wird die Entscheidung mit 98-prozentiger Sicherheit als wichtiges, heroisches Signal in Zeiten angegriffener Pressefreiheit verkaufen. Auch wenn es natürlich ein reiner PR-Move ist. Würde der Bambi wirklich ein politisches Zeichen setzen wollen, würde er es tun. Stellt euch also darauf ein, dass einer der Bambi-Verantwortlichen (ein Mann, ziemlich sicher ein Mann) die Bühne betreten und berauscht von seiner eigenen Herrlichkeit sehr dramatisch und viel zu lange darüber reden wird, dass WIR jetzt wirklich alle zusammenrücken und für die Pressefreiheit einstehen müssen. Denn WIR in Deutschland sind nur solange frei, wie unsere Presse frei ist. (Was selbstverständlich miteinschließt, dass Burda-Erzeugnisse wie die Bunte oder die Freizeit Revue sich auch weiterhin Promi-Geschichten ausdenken und als Realität verkaufen können.)

    Möglicher Power-Tweet: schwierig. Um mit dem Thema Ribéry noch Likes und Retweets abzustauben, ist es zu spät. Alle Witze wurden bereits gemacht. Alternative: herablassend Tweets der Leute kommentieren, die jetzt noch mit "Aber dass Ribéry mit einer Minderjährigen Sex hatte, hat die #bambi-Jury nicht gestört oder was?" um die Ecke kommen.

    Die Moderation

    Es ließ sich trotz sehr angestrengter Internetrecherche leider nicht herausfinden (Stand: 13:00 Uhr), welche Moderatorin oder welcher Moderator dieses Mal durch den Abend führen wird. Kai Pflaume, der sonst alles moderiert, was keine Möbelhauseröffnung ist, wird 2018 wohl nur einen Bambi übergeben. Vielleicht macht es also einfach wieder Barbara Schöneberger. Die ist irgendwie lustig, aber nicht zu lustig, frech, aber nicht zu frech, schön, aber nicht zu schön – die ideale Frau also für die ARD-Kernzielgruppe: alternde Menschen am Beatmungsgerät, die mit ihrem Leben schon zu sehr abgeschlossen haben, um den Fernsehsender zu wechseln. Das wirkliche Hosting-Highlight dürfte allerdings der Part der Veranstaltung werden, für den Thomas Gottschalk und Sophia Loren die letzten 70 Jahre Bambi Revue passieren lassen sollen. Gottschalk war damals zwar noch gar nicht geboren und dürfte nicht so richtig viel aus erster Hand beizutragen haben. Wie wir durch unzählige Hitler-Dokus auf n-tv wissen, gibt es aber mehr als genug Bildmaterial aus den 40ern.

    Möglicher Power-Tweet: "#bambi-Trinkspiel: Jedes Mal, wenn Barbara Schöneberger einen Witz über sich selbst macht, das Bierglas ansetzen und erst wieder aufhören zu trinken, wenn die anschließende unangenehme Stille vorbei ist. 1/2" und: "#bambi läuft erst eine halbe Stunde und ich kann Barbara Schöneberger und Thomas Gottschalk schon jetzt nicht mehr auseinanderhalten 2/2"

    Die Preisträgerinnen und Preisträger

    Bei deutschen Preisverleihungen geht es nur vordergründig um die Auszeichnung von Personen, die in den letzten zwölf Monaten irgendetwas Herausragendes in ihrem Feld geleistet haben. Primär gibt es Veranstaltungen wie den Bambi, damit wichtige Medien- und Wirtschaftsleute die Möglichkeit haben, Selfies mit wichtigen Film- und Fernsehleuten zu machen. Es sind Netzwerkveranstaltungen, auf die die richtig großen Stars keine Lust haben, weil sie in einer Situation sind, in der sie nicht mehr netzwerken müssen. Also hauen sie ab, sobald sie von einer weniger wichtigen, aber sehr aufgeregten Person ihren Preis überreicht bekommen haben. Und der Rest harrt aus und hofft, dass es bei der Aftershow-Party genügend Champagner und Kokain gibt.

    Das Lustige am Bambi: Viele der Preisträgerinnen und Preisträger sind schon Tage vor der Verleihung bekannt. Um wirklich auch das letzte bisschen Spannung herauszunehmen. Hier also der Vollständigkeit halber die Liste der Personen, von denen wir sicher wissen, dass sie zumindest für zwei Minuten so tun müssen, als würden sie sich über einen Bambi freuen: Mark Forster (Musik National), Luke Mockridge (Comedy), Liselotte Pulver (Lebenswerk), Dua Lipa (Musik International), Rod Stewart (Legende), Claudio Pizarro (Sport, sagt Bild) und Penélope Cruz (Schauspielerin International).

    Möglicher Power-Tweet: "Findet ihr es nicht auch seltsam, dass diesem 'Mark Förster’' ein goldenes Rehkitz überreicht wird?"

    Und das war's dann auch schon: Bambi 2018 abgehakt. Bedankt euch später. Wir müssen jetzt nachholen, was Kai Pflaume in den letzten zwei Stunden auf Instagram gepostet hat.

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    Das

    Das "Gästehaus der Polizei" ist die vielleicht beschissenste Absteige Berlins


    Wer in Berlin absteigt, hat die Wahl, ob er sich in Friedrichshain von Kneipeninhaberinnen, in Mitte von Start-up-Unternehmern oder in Charlottenburg von pelzbehangenen Millionärinnen anpöbeln lässt. Doch es gibt Hoffnung für alle Reisenden, die die...

    Wer in Berlin absteigt, hat die Wahl, ob er sich in Friedrichshain von Kneipeninhaberinnen, in Mitte von Start-up-Unternehmern oder in Charlottenburg von pelzbehangenen Millionärinnen anpöbeln lässt. Doch es gibt Hoffnung für alle Reisenden, die die Hauptstadt abseits aller RTL2-Klischees vom drogenverseuchten Kottbusser Tor kennenlernen wollen. Das Gästehaus der Polizei ist das vielleicht sicherste Bed and Breakfast der Stadt.

    Auf dem Gelände der Berliner Polizei können Touristen und Touristinnen inmitten von Fichten und Uniformierten im Gästehaus in Berlin-Reinickendorf nächtigen. Die einstige Kaserne ist seit 1997 in Privatbesitz. Das Gelände drum herum werde allerdings weiter von der Polizei und der Feuerwehr genutzt, schreiben die Besitzer auf Booking.com. Das Hotel hat einige Haken. Und das liegt nicht nur daran, dass auf dem Gelände Polizisten und Polizistinnen rumlaufen – und das Haus in Reinickendorf steht.

    Eine "einzigartige Unterkunft", "ein Interieur mit historischem Berliner Design", ein paar "wunderschöne Bäume" hinter den vergilbten Spitzenvorhängen. So preisen die Besitzer das Haus an. Gäste können sich nächteweise in die "Deluxe-Zimmer" im "beliebten" Stadtteil Reinickendorf (das ist übrigens eine Lüge) einmieten. Sie bekommen maximal mitteldeutsches Urlaubsflair. Das günstigste Doppelzimmer kostet 63 Euro pro Nacht, das teuerste 81 Euro. Das Frühstück in der Vereinsküche gibt es dazu. Den unangenehmen Moment, in dem andere Gäste an der Tür des Gemeinschaftsbads klopfen, wenn ihr mit Durchfall auf dem Klo sitzt, auch.

    Diese Ecstasy-Pillen sind momentan besonders gefährlich

    Diese Ecstasy-Pillen sind momentan besonders gefährlich


    Es ist gar nicht so schwer, das Risiko beim Ecstasy-Konsum ein wenig zu senken: Alle drei Monate nur eine Viertel Pille nehmen, keinen Alkohol dazu trinken, dafür aber genug Wasser, wenn auch nicht zu viel, und davor und danach ausreichend schlafen....

    Es ist gar nicht so schwer, das Risiko beim Ecstasy-Konsum ein wenig zu senken: Alle drei Monate nur eine Viertel Pille nehmen, keinen Alkohol dazu trinken, dafür aber genug Wasser, wenn auch nicht zu viel, und davor und danach ausreichend schlafen. Doch viele tanzen stattdessen 48 Stunden auf mehreren Pillen durch, saufen exzessiv und ziehen zusätzlich noch andere Drogen. Der Mischkonsum von MDMA und Amphetamin ist einer der häufigsten in der Partyszene, sagt Philipp Weber vom Safer-Use-Programm Take Stuttgart. Speed unterdrückt Müdigkeit, Durst und Hunger und kostet weniger als die meisten anderen Drogen.

    Aber Amphetamin dämpft die typische MDMA-Wirkung deutlich. Eine Überdosierung sei laut Weber beim Mischkonsum also noch wahrscheinlicher. "Da die stimulierenden Effekte beider Substanzen sich jedoch weiterhin voll entfalten, kann das zu einer Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems führen." Grundsätzlich rät er Konsumierenden, nie mehr als eine Substanz zu nehmen.

    Doch auch beim reinen Konsum von Ecstasy ist das Risiko hoch, zu viel zu nehmen. Denn man weiß nie, was drin ist in den Dingern. Darum fassen wir wöchentlich die Ergebnisse der Drug-Checking-Institute unserer Nachbarländer zusammen. Getestet wurden die Pillen von The Loop in Großbritannien, Eurotox in Belgien, dem niederländischen Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, Drogenarbeit Z6 in Innsbruck, Energy Control auf Mallorca, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB+).

    Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den letzten sieben Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai dieses Jahres – einschließlich der neuen – haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heißt das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zudem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

    Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayerischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests. Saferparty veröffentlichen im Laufe des Wochenendes regelmäßig zusätzlich neue Warnungen und Meldungen.

    Die Pillenwarnungen der dritten November-Woche 2018

    Rosafarbene "Heineken"

    Eine solche graue Pille mit den Audi-Ringen auf der einen und Audi-RS auf der anderen Seite wurde im November in der österreichischen Hauptstadt abgegeben. Sie enthielt eine extrem hohe Dosis von 230 Milligramm MDMA. Audi-Pillen zirkulieren bereits in Rosa und Lila mit extrem hohen MDMA-Dosen bis zu 319 Milligramm.

    Wenn du schon einmal ambulant behandelt werden musstest, nachdem du Drogen genommen hast, (oder Freunde von dir) und du mit VICE über deine Erfahrung sprechen möchtest, erreichst du unseren Redakteur Thomas Vorreyer per E-Mail oder Twitter-DM.

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    So viele Schüler werden von ihren Lehrern diskriminiert

    So viele Schüler werden von ihren Lehrern diskriminiert


    Eigentlich geht die Geschichte ja so: Wenn Schüler oder Schülerinnen gemobbt werden, ausgeschlossen oder diskriminiert, dann sind andere Schüler die Täter. So sind Kinder eben und Jugendliche sowieso, grausam und leicht zu reizen. Die Lehrer hingegen...

    Eigentlich geht die Geschichte ja so: Wenn Schüler oder Schülerinnen gemobbt werden, ausgeschlossen oder diskriminiert, dann sind andere Schüler die Täter. So sind Kinder eben und Jugendliche sowieso, grausam und leicht zu reizen. Die Lehrer hingegen machen nicht mit beim Mobbing-Game, keinem Lehrer würde in den Sinn kommen, Schüler wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Sexualität oder ihres Geschlechts zu beleidigen. Richtig? Natürlich nicht. Was wir alle insgeheim schon wussten (schließlich ist jeder von uns zur Schule gegangen), bestätigen nun Zahlen der Berliner Senatsverwaltung für Bildung: Von den von der Behörde überprüften Diskriminierungsfällen gehen wesentlich mehr auf das Konto von Pädagogen als auf das von Schülern.

    Das ergibt sich aus einer Anfrage des Grünen-Politikers Sebastian Walter im Berliner Abgeordnetenhaus. Insgesamt wurden der Senatsverwaltung 170 Diskriminierungsfälle aus dem Schuljahr 2016/2017 gemeldet, die die Behörde überprüfen und bestätigen konnte. In den meisten dieser Fälle (106) wurden Schülerinnen oder Schüler rassistisch beleidigt, in 20 Fällen ging es um Behinderungen und in 10 um die sexuelle Orientierung. Wie die Zahlen in den Jahren davor ausgesehen haben können, weiß man nicht – die Meldekategorie "Diskriminierung" gibt es erst seit 2016.

    Einige von uns können sich an eine Erdkunde-Lehrerin erinnern, die sich konsequent weigerte, türkische Namen auszusprechen, oder an einen miesen Sportlehrer, der Mädchen weniger respektvoll behandelte als Jungs. Und wie es aussieht, haben wir uns das nicht eingebildet. Denn von den 170 Diskriminierungsfällen, die in Berlin bestätigt wurden, gehen nur 20 auf das Konto von Mitschülern. 48 Mal, also mehr als doppelt so häufig, wurden Schülerinnen rassistisch oder behindertenfeindlich von ihren Lehrern und Lehrerinnen beleidigt. In 60 weiteren Fällen waren die Täterinnen "weiteres Schulpersonal" oder Mitarbeiter von Jugendämtern und außerschulischen Bildungsträgern. Mit anderen Worten: andere Erwachsene, die eigentlich einen Bildungsauftrag haben sollten.

    Diese Zahlen sagen natürlich kaum etwas darüber aus, wie viele Diskriminierungsfälle es tatsächlich an Berliner Schulen gibt. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sehr hoch, viele Fälle werden nie gemeldet. Saraya Gomis ist die Antidiskriminierungsbeauftragte der Senatsverwaltung für Bildung. Der Berliner Morgenpost sagte sie, allerhöchstens 20 Prozent der Fälle würden überhaupt gemeldet werden. Sie ginge aber davon aus, dass es schon nächstes Jahr deutlich mehr sein würden. Es wäre schön, wenn der Grund dafür wäre, dass immer mehr Schüler und Schülerinnen sensibler für Diskriminierung werden. Das kann sogar sein. Gleichzeitig müssen wir uns aber darauf einstellen, dass mit einem Rechtsruck der Gesellschaft auch der Umgangston an Schulen schlimmer wird.

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    Offenbar glauben jetzt Menschen, die Erde wäre ein Donut

    Offenbar glauben jetzt Menschen, die Erde wäre ein Donut


    Die Erde ist eine Scheibe – wer das glaubt, hat sich die Wahrnehmung vermutlich, na ja, an der Wirklichkeit plattgedrückt. Aber es gibt heute eben doch einige, die zu dieser uralten Überzeugung zurückkehren. Als Reaktion darauf entstehen immer...

    Die Erde ist eine Scheibe – wer das glaubt, hat sich die Wahrnehmung vermutlich, na ja, an der Wirklichkeit plattgedrückt. Aber es gibt heute eben doch einige, die zu dieser uralten Überzeugung zurückkehren. Als Reaktion darauf entstehen immer wieder neue Parodien wie die Zwölfeck-Erde, die Bananen-Erde, die Taco-Erde und auch die Dinosaurier-Erde. Aber so absurd es klingt: Die Donut-Erde ist weniger abwegig als so manch andere Vorstellung.

    Im Internet kreiseln tatsächlich Menschen, die behaupten, die Erde wäre weder Scheibe noch Kugel, sondern ein Torus – das ist Bildungssprache für etwas, das aussieht wie ein Donut. Wie viele von ihnen nur trollen, ist unklar. Aber die Theorie hat ihren Ursprung anscheinend in dem Forum von FlatEarthSociety.org. Eine Person mit dem Nutzernamen Dr. Rosenpenis hatte das Thema 2008 offenbar als Witz eröffnet. 2012 kam der User Varaug auf den Donut und ergänzte das absurde Grundgerüst mit vielen Details.

    Die Donut-Theorie besagt, dass da ein gigantisches Loch im Zentrum unseres Planeten ist, das wir nicht sehen können, weil, so Varaug: "Das Licht krümmt sich und folgt der Rundung des Torus, wodurch das Loch für uns 'unsehbar' wird." Wie dann das mit der Schwerkraft funktionieren würde? Varaug hat auch hier eine schlüssige Erklärung parat: "Stell dir einen Donut vor. Stell dir einen Donut mit Füllung vor. Die Schwerkraft zieht Richtung Füllung."

    Es blieb nicht bei Varaug. User auf FlatEarthSociety.org entdeckten den Forenthread 2016 wieder. VICE hat sich an mehrere Forennutzer gewandt, um ein ernstes Gespräch über diese Theorie zu führen, doch niemand hat auf die Anfrage reagiert. Anders als die Astrophysikerin Tabetha Boyajian von der Louisiana State University. Sie sagt gegenüber VICE: "Dieses Thema beginnt nicht mit einer Frage, die wir beantworten müssen. Die Leute fangen an mit: 'Hey, wie wär's hiermit?' Und dann suchen sie Erklärungen."

    Auch bei VICE: Wir waren beim ersten "Flat Earth"-Treffen der Welt

    Schon vor Jahren hat jemand den Informatiker und Neurowissenschaftler Anders Sandberg von der Oxford University aufgefordert zu erklären, wie eine Donut-Erde funktioniert – vermutlich eher als Gedankenspiel statt aus Überzeugung. Sandberg präsentierte 2014 auf iO9 ein ausführliches Modell einer Torus-Erde. Dabei stützt er sich auf Forschung zu torusförmigen Körpern im All – die Frage nach einem Donut-Planeten ist also weniger abwegig als die Flache-Erde-Theorie. Das Ergebnis: Ein torusförmiger Himmelskörper bräuchte ganz bestimmte Bedingungen, darunter eine sehr schnelle Rotation, erklärt Sandberg, und der Planet wäre in dieser Form wohl kaum lange stabil. Trotzdem, er sei möglich.

    Sandbergs Modell zeigt aber auch: Wenn die Erde ein Torus wäre, wüssten wir es definitiv. Es gäbe einen massiven Unterschied in der Schwerkraft, je nachdem, wo auf dem Ring man sich befindet. Die Jahreszeiten in der Nähe des Lochs würden sich "doppeln", es gäbe also zum Beispiel einen zweiten Winter mitten im Juli. Auch das Wetter wäre extrem anders: Wolken auf dem Donut-Planeten wären bis zu dreimal so hoch, die Winde wären um einiges stärker und würden anderen Mustern folgen.

    Die Astrophysikerin Boyajian und ihr Student Taylor Ellis zeigen VICE Beispiele für Phänomene, die auf einer Donut-Erde unerklärlich wären. Das Foucaultsche Pendel, das die Erdrotation nachweist und sich mit den Bewegungen eines sphärischen Planeten deckt. Oder der runde, völlig unzerlöcherte Schatten der Erde, der bei einer Finsternis den Mond verdunkelt. Dann ist da noch das Problem, dass wir wohl an der Innenseite des Donuts die andere Seite des Erdrings sehen müssten. Ach ja, das ist ja "unsehbar", wie Varaug schreibt, weil "das Licht der Rundung des Torus folgt". Normalerweise verbiegen eher gigantische Körper wie supermassereiche Schwarze Löcher das Licht auf diese Art, erklärt Boyajian. "Diese Menschen überlegen sich eine Handvoll Punkte, die der Vorstellung nicht widersprechen, und nennen es eine Theorie", sagt sie. "Aber so entwickelt man keine Theorie."

    Dafür ist diese Geschichte der Beweis dafür, dass eine ganz andere Theorie stimmt: Poes Gesetz besagt, dass man im Netz keine Parodie auf extreme Ansichten machen kann, die offensichtlich als solche erkennbar ist – es gibt einfach zu viele Menschen, die wirklich absurde Dinge glauben. Die hatte Dr. Rosenpenis offenbar nicht auf der Rechnung. Also: Wenn dir jemals jemand etwas über eine Donut-Erde erzählen sollte, denk dran, was alles passieren kann, wenn man versucht, witzig zu sein. Und verlinke diesen Text. Bitte schön, gern geschehen.

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