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    Ich habe mich als chinesischer Influencer verkleidet, um auf die Fashion Week zu kommen

    Ich habe mich als chinesischer Influencer verkleidet, um auf die Fashion Week zu kommen


    “Er muss tatkräftig sein, widerstandsfähig, stark und mutig: gründlich gewöhnt an alle Sorten Schmutzarbeit, fähig, Hunger und Kälte zu ertragen und Schmach und Schande auf sich zu laden.” - Sunzi über Spione, aus: Die Kunst des Krieges Es...

    “Er muss tatkräftig sein, widerstandsfähig, stark und mutig: gründlich gewöhnt an alle Sorten Schmutzarbeit, fähig, Hunger und Kälte zu ertragen und Schmach und Schande auf sich zu laden.” - Sunzi über Spione, aus: Die Kunst des Krieges

    Es ist kurz vor 20 Uhr, eine PR-Frau rauscht an mir vorbei, drängt sich durch Menschenmassen zu ihrer Vorgesetzten. Sie hält ihr ein iPad vor die Nase, scrollt wild über den Bildschirm. Nur noch ein paar Minuten bis zur Show. Beide haben vermutlich Wichtigeres zu tun. Aber sie starren nun in das kalte blaue Licht des Tablets und durchforsten das Internet. Nach mir. Mister Shi Shang. Einem der berühmtesten Influencer Chinas. Einem aufgescheuchten Modetypen, der auf Englisch mit stark chinesischem Einschlag einen kleinen Aufstand an der Einlasskontrolle macht.

    "Mister Shang, Sie sind nicht auf der Gästeliste", sagt die Pressefrau auf Englisch. Mein Herz rutscht mir in meine gefälschten Designerschuhe. "Im Internet finden wir nichts. Who are you? WER SIND SIE?"

    24 Stunden vorher

    Es ist wieder Fashion Week. Designer zeigen, was sie in einem halben Jahr erarbeitet haben und Influencerinnen posten, dass sie sich seit einem halben Jahr darauf freuen. Bei "Modeszene" denke ich an einen superexklusiven Kreis aus Männern und Frauen, die es sich leisten können, sündhaft teuren Champagner auf sündhaft teure Klamotten zu kleckern. Influencer, Modejournalistinnen, Designer, Promis. Sehr bedeutende Menschen.

    Und ich frage mich: Wie kommt man da rein? Muss man in der Mode arbeiten? Braucht man eine bestimmte Zahl an Followern oder eine bestimmte Summe auf dem Konto? Muss man berühmt sein? Oder einfach nur verrückt? Da ich weder reich noch berühmt bin, setze ich auf die einzige Chance, die mir bleibt: die Überraschung. Ich werde mit der Modewelt verschmelzen: ein in Gucci gehüllter Guerilla-Fashionista, ich werde so sprechen, lachen, denken wie sie. Kurz: Ich werde zu Mister Shi Shang. Zwei Dinge begünstigen mein Vorhaben: Ich habe an einer Modeuni studiert, kenne mich also bisschen aus im "Fashion Business". Zweitens stammen meine Eltern aus Shanghai. Ich könnte mich also auch auf Chinesisch durchlügen.

    Die Vorbereitung

    Ich frage eine Kollegin aus dem Social-Media-Team, was einen guten Influencer ausmacht. "Viele Follower und guter Content." Ein guter Name wäre auch nicht schlecht. Das Blöde ist nur: Ich poste so gut wie nie etwas auf Instagram. Und meine knapp 500 Follower setzen sich hauptsächlich aus meinen Freunden, meiner Mutter und Bots zusammen, die mir ständig Sexdates mit tschechischen Models andrehen wollen.

    Ich brauche also eine neue Identität. Ich taufe mein alter Ego "Shi Shang", was zwar fancy und exotisch klingt, aber eigentlich nur "Mode" auf Chinesisch bedeutet. Ich hänge noch ein "Mister" davor, weil wir Asiaten doch alle "SO CRAZY" sind. Shang stelle ich mir als unverschämt reichen, bisschen arroganten, aber trotzdem liebenswerten Pingel vor. Und weil die Berliner Modeheinis vermutlich kein Chinesisch sprechen, lässt er sich herab und spricht etwas bröckeliges Englisch.

    Als nächstes kaufe ich die Domain www.mistershishang.com. Ein sehr persönlicher Modeblog, das Fundament meiner Existenz, mit dem ich Millionen von Menschen inspiriere. Social Media ist allerdings ein Problem. In wenigen Stunden tausende Follower auf Instagram zu sammeln wird knapp. Ich beschließe, mich auf die chinesischen Kanäle zu konzentrieren, da die hier eh keiner kennt. Ich erstelle einen Account bei WeChat, einem Hybrid aus Facebook, Instagram und Paypal, und einen bei Weibo, dem chinesischen Twitter. Die Accounts sind auf Chinesisch, was einen entscheidenden Vorteil hat: Es übersetzt das Wort "Follower" ins Chinesische, so dass man nicht erkennt, dass ich lediglich einen einzigen Follower habe, nämlich den Firmenaccount der App.

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    Die Bundesregierung warnt vor Vaping als neuer Teenie-Droge

    Die Bundesregierung warnt vor Vaping als neuer Teenie-Droge


    Früher hatte man es noch leicht als Tabaklobbyist. Da musste man Politikerinnen und Politikern nur erzählen, dass Rauchen gesund sei. Manche glaubten das sogar. Doch inzwischen ist das anders. Inzwischen muss die Tabakindustrie darauf hinweisen, dass...

    Früher hatte man es noch leicht als Tabaklobbyist. Da musste man Politikerinnen und Politikern nur erzählen, dass Rauchen gesund sei. Manche glaubten das sogar. Doch inzwischen ist das anders. Inzwischen muss die Tabakindustrie darauf hinweisen, dass ihre Produkte tödlich sein können und gleichzeitig behaupten: Tabak und Nikotin, das sei verdammt cooles Zeug für selbstbestimmte Konsumierende. Ja, du bringst dich damit langsam um, aber hey – es ist deine Entscheidung!

    Und nichts symbolisiert diese groteske Erzählung so sehr wie die durchdesignten Nikotinverdampfer, die längst auch deutschen Rauchern die Mission der E-Zigaretten-Branche – und damit der Tabakindustrie – vermitteln sollen: Make smoking great again.

    Auch bei VICE: Chinas Vape-Industrie

    Die Sticks der Marke "Juul" sind die in den USA am weitesten verbreiteten Nikotinverdampfer. 3,6 Millionen Teenager vapen in den USA, der Firma JUUL Labs beherrscht 70 Prozent des gesamten E-Zigaretten-Marktes. Es gibt Berichte von Aussteigern, die davon erzählen, wie sie ihre Juul-Sucht überwunden haben. Und VICE hat kanadische Teenager begleitet, die so verrückt nach den in Kanada verbotenen Juul-Sticks sind, dass sie sie aus den USA eingeschmuggelt haben. Jetzt könnte die Juul-Welle auch Deutschland erreichen.

    Die E-Zigaretten mit Liquids in verschiedenen Geschmacksrichtungen lassen sich nicht nur per USB laden, sondern sehen auch aus wie ein verlängerter Speicherstick. Die Juul-Verdampfer sind eine Erfindung von Pax Labs, einem Unternehmen, das vor allem bei Cannabis-Konsumenten für seinen Verdampfer im iPod-Nano-Design bekannt ist. Das Produkt hat wesentlich dazu beigetragen, Kiffen aus der Schmuddelecke zu holen. Und jetzt deklariert Juul seine E-Zigarette auch noch als familienfreundlich: Juul – der neue Weg, um mit dem Tabak-Rauchen aufzuhören.

    Manchen erwachsenen Nikotinabhängigen gelinge das sogar, schreibt die New York Times. Auf der anderen Seite stünden Teengager, die noch nie geraucht haben und für die Juul-Verdamper die Einstiegsdroge in die Nikotin-Sucht seien.

    In den USA wird Juul dafür kritisiert, dass es sich in seiner Werbung vor allem an Teenager richte. Deshalb griff das Unternehmen zu außergewöhnlichen Maßnahmen: Im Oktober berichtete BuzzFeed News, dass Juul mehreren Schulen Stipendien in Höhe von bis zu 20.000 Dollar angeboten habe, damit diese Aufklärungskurse über E-Zigaretten bei sich anbieten. Für die Durchführung der Kurse habe Juul auch gleich noch seine eigenen Berater zur Verfügung gestellt. Was für ein freundliches Angebot!

    Vaping: Hersteller warnt vor eigenem Produkt

    Seit Kurzem gibt es die Verdampfer auch in Deutschland und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, warnt bereits vor ihnen. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärte sie, eine Entwicklung wie in den USA unbedingt verhindern zu wollen. "Wir müssen uns genau anschauen, ob die aktuelle Obergrenze beim Nikotin so in Ordnung ist", sagte sie der Zeitung. In der EU sind bis zu 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter erlaubt. In den USA sind es fast dreimal so viel.

    Es scheint, als würde das mit 15 Milliarden US-Dollar bewertete Unternehmen in Deutschland gar nicht erst den Verdacht erwecken wollen, dass sie es auf Teenager abgesehen hätten: "Juul hat, wie Zigaretten, nichts in den Händen von Kindern und Jugendlichen zu suchen, weil beides Nikotin enthält, ein Stoff, der sehr stark abhängig macht", sagte ein Sprecher gegenüber der F.A.S. – das Produkt dürfe nur an Volljährige verkauft werden. Erwachsene, so könnte man den Satz in Gedanken fortsetzen, können sich schließlich selbst für oder gegen E-Zigaretten entscheiden – ganz selbstbestimmt und frei.

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    5 News der letzten Tage, die du nicht verpasst haben solltest

    5 News der letzten Tage, die du nicht verpasst haben solltest


    Gestärkt vom Wochenende kehren wir zurück in eine neue Woche und haben Gustav Gerneth zu unserem neuen All-Time-Vorbild bestimmt. Der Sachsen-Anhalter beweist, wie man durch Ausdauer Großes erreichen kann, denn er ist 113 Jahre alt – und vermutlich...

    Gestärkt vom Wochenende kehren wir zurück in eine neue Woche und haben Gustav Gerneth zu unserem neuen All-Time-Vorbild bestimmt. Der Sachsen-Anhalter beweist, wie man durch Ausdauer Großes erreichen kann, denn er ist 113 Jahre alt – und vermutlich nun der älteste Mensch der Welt. In Japan haben nämlich am Sonntag Angehörige des bisherigen Rekordhalters Masazo Nonaka bekanntgegeben, dass ihr Verwandter gestorben sei, berichtet die Volksstimme. Damit rückt Gerneth, der am 15. Oktober 1905 geboren wurde und nun in Havelberg westlich von Berlin lebt, auf den ersten Platz der Liste im Guinness Buch der Rekorde. Will er den ewigen Rekord brechen, muss er noch ein paar Jahre durchhalten: 1997 wurde eine Französin 122 Jahre alt.

    Auch einige andere Themen in unserem Nachrichten-Überblick schlagen heute die ganz langen Bögen: Die Amtszeit von Horst Seehofer als CSU-Chef ist nach zehn Jahren vorüber, sogar seit fast dreißig Jahren wird schon um den Landesnamen von Mazedonien gestritten und einige Ureinwohner der USA mussten nach Jahrhunderten von Mord, Totschlag und Diskriminierung wieder einmal heftige Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Außerdem blicken wir auf Obdachlose in Berlin und Nordrhein-Westfalen in der aktuellen Winterkälte und auf einen mysteriösen Vorfall in Baden-Württemberg, bei dem ein Wirt einen 16-Jährigen und seine Freunde angefahren haben soll. Hier sind unsere Hangover News.

    Horst Seehofer ist nicht mehr Chef der CSU – Vier Tweets am Ende von zehn Jahren

    Angekündigt hatte er es schon, am Samstag dann ist Horst Seehofer aber tatsächlich als Parteichef der CSU zurückgetreten.

    Zehn Jahre und drei Monate hat er die bayerische Partei angeführt, zuletzt mit starken Verlusten bei der Landtagswahl und immer lauterer Kritik an seinem Kurs in der Flüchtlingsdebatte. In seiner Abschiedsrede gab sich Seehofer launig; zusammengefasst hat sie der Stern. Seehofer hatte neulich erst mit der Behauptung für Aufsehen gesorgt, schon seit den 80ern im Internet zu sein. In der Abschlussrede am Samstag sagte Seehofer, sogar seine Eisenbahn sei digital.

    Nach Seehofer Rede wurde Instagram-Fan Markus Söder mit 87 Prozent zum neuen Vorsitzenden gewählt.

    Er ist der Nachfolger, den der frisch twitternde Seehofer eigentlich immer verhindern wollte.

    Dem politischen Betrieb bleibt der 69-jährige Seehofer noch erhalten: In Berlin wird er weiter im Innenministerium sitzen.

    Krawalle wegen "Nord-Mazedonien" – Das steckt hinter den Ausschreitungen in Athen

    Es kommt nicht oft vor, dass ein Land komplett umbenannt werden soll – und im Fall von Mazedonien im Südosten Europas geht der aktuellen Debatte auch ein jahrzehntelanger Streit voraus. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 gibt es Zoff, weil es im Norden Griechenlands eine Region namens Makedonien gibt und man dort befürchtet, dass das Land Mazedonien wegen des gleichklingenden Namens irgendwann Ansprüche auf diese Region erheben würde – international sollte deshalb bislang der umständliche Bandwurm-Name "Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien" zeigen, dass es eben nur um die Gebiete geht, die früher zu Jugoslawien gehörten.

    Griechenland war die Sache so wichtig, dass Athen jahrzehntelang eine EU- und NATO-Mitgliedschaft des Landes blockiert hat, solange es sich nicht einen anderen Namen als Mazedonien sucht. Aktuell sieht es aber so aus, als ob man endlich eine Regelung gefunden hätte: Umbenennung in "Nord-Mazedonien" und Start von Beitrittsverhandlungen mit Europäischer Union und NATO. Dieser Vorschlag soll diese Woche im griechischen Parlament beschlossen werden.

    Nationalisten in Griechenland ist das aber nicht genug und das haben sie am Wochenende gezeigt: Am Sonntag sind laut griechischen Medien 150.000 Menschen in Athen auf die Straße gegangen, es kam zu Krawallen. Die Polizei setzte Tränengas ein, einige Extremisten bewarfen die Beamten mit Steinen. Laut ersten Zählungen wurden laut Tagesschau mindestens 25 Polizisten und zwei Demonstranten verletzt.

    Obdachloser in Berlin erfroren – Seit Wochen wird dort diskutiert, jetzt Kältewelle

    Geschätzt bis zu 20.000 wohnungslose Menschen gibt es in Berlin, bis zu 8.000 von ihnen leben auf der Straße und seit Wochen gibt es eine Diskussion darüber, wie die Hauptstadt mit ihnen umgehen soll. Die aktuellen Temperaturen machen das Thema noch einmal deutlich dringender. Zum einen sind Bilder vom 9. Januar aufgetaucht, die zeigen, wie ein Camp in Mitte von der Polizei geräumt wurde und dabei eine Frau sogar mit einer zusammengeschnürten Tüte über dem Kopf abgeführt wurde: einer Spuckschutzhaube. Ein Polizist erklärte hinterher, dass das Polizeifahrzeug vor Dreck geschützt werden musste und die Frau sehr aggressiv gewesen sei. In einem Video der taz sitzt sie ruhig.

    In der Nacht zum Sonntag ist nun im Volkspark Humboldthain ein Mann gestorben. Noch ist unklar, ob das an der Kälte lag, einen Selbstmord oder Fremdverschulden konnte die Polizei aber bereits ausschließen, schreibt der Tagesspiegel. Am Tag danach hat das Landessozialministerium von Nordrhein-Westfalen wiederum angekündigt, erstmals und kurzfristig 100.000 Euro Kältehilfe für obdachlose Menschen bereitstellen zu wollen.

    Den pöbelnden Schülern bei einer Demo für US-Ureinwohner droht der Schulverweis

    Es war Demo-Wochenende in den USA, unter anderem mit vielen Women’s Marches, die im dritten Jahr ihres Bestehens ein wenig schrumpften, aber trotzdem weiter stark in Sachen Schilder unterwegs waren.

    In Washington gab es aber auch eine sogenannte "Pro Life Rally" gegen Abtreibungen – und einen "Indigenous People March". Am Ende dieser Demo für mehr Rechte von eingeborenen Völkern spielten einige der dort Protestierenden auf ihren traditionellen Instrumenten, als sich ein Teenage-Mob voller Trump-Fans näherte. Mehrere Dutzend Dudes mit MAGA-Caps pöbelten die Musiker nieder, darunter auch: Nathan Philipps, Ältester eines Stammes aus Omaha.

    Die Videos haben online schnell die Runde gemacht, einige Prominente haben sich eingeschaltet, Zeitungen wie die New York Times haben breit berichtet. Das sensible Thema ist in den USA wichtiger, als es uns in Deutschland oft bewusst ist.

    Die Katholische Schule der Pöbler hat Konsequenzen bis hin zum Schulverweis angekündigt.

    Gastwirt soll 16-Jährigen mit SUV angefahren haben, weil der eine Scheibe eingetreten hat

    In Baden-Württemberg herrscht Verwirrung um einen möglichen Unfall oder Überfall: Ein Gastwirt soll nahe Stuttgart, in Kirchheim unter Teck, mit seinem SUV einen 16-Jährigen und dessen Freunde angefahren haben, weil dieser am Samstagabend eine Scheibe des Lokals eingetreten hat. Laut Darstellung der Jugendlichen soll der 48-Jährige Gastwirt mehrfach versucht haben, sie zu überfahren. Der Mann aber widerspricht dieser Version und sagt, er habe rechtzeitig abgebremst – die drei Jungen hätten sich ihre Verletzungen durch Zurückweichen in Panik zugezogen. Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen, um zu klären, ob der Vorwurf der versuchten Tötung aufrechterhalten bleibt oder ob es sich nur um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr handelt, fasst die Stuttgarter Zeitung zusammen.

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    Warum es total in Ordnung ist, wenn Kinder YouTuber werden wollen

    Warum es total in Ordnung ist, wenn Kinder YouTuber werden wollen


    Roxanne Robertson war sechs Jahre alt, als ihre Mutter merkte, dass Roxanne ihren Alltag kommentiert. "Wenn es still war, sagte sie Sachen wie: 'Seht euch das vor dem Fenster an' oder 'Das ist so cool'", erklärt Mutter Emma. "Es dauerte ein bisschen,...

    Roxanne Robertson war sechs Jahre alt, als ihre Mutter merkte, dass Roxanne ihren Alltag kommentiert. "Wenn es still war, sagte sie Sachen wie: 'Seht euch das vor dem Fenster an' oder 'Das ist so cool'", erklärt Mutter Emma. "Es dauerte ein bisschen, bis mir aufging, dass sie sich verhielt, als wäre sie auf YouTube."

    Roxanne ist mit YouTube aufgewachsen – herkömmliches Fernsehen hat sie dagegen nur "ein paarmal" im Leben gesehen, so Emma. Heute ist Roxanne zehn und hat einen klaren Berufswunsch: YouTuberin, was sonst. "Ich habe Angst davor, dass sie ihr Gesicht im Internet zeigt", sagt ihre Mutter. Bisher hat Emma ihrer Tochter noch keinen YouTube-Channel erlaubt. Neuerdings gibt es für Roxanne aber eine Sandkasten-Version der echten Vlogger-Welt: das Simulationsspiel Youtubers Life OMG!.

    Das Spiel ist bereits 2016 in einer Computerversion erschienen, seit November ist die "OMG! Edition" für Xbox One, PS4 und Nintendo Switch erhältlich. Youtubers Life OMG! gehört zu den Unterhaltungsmedien, die Pessimisten als Anfang vom Ende unserer Kultur werten. Das Game ähnelt ein wenig den Sims-Spielen, nur dass man hier seine Figur nicht im Pool ertränkt, sondern zu einem möglichst großen YouTube-Star macht. Und das verkauft sich gut: Mehr als eine Million Exemplare haben schon ihren Weg in Kinderzimmer in aller Welt gefunden.

    Mossul:

    Mossul: "Ich habe mehr Leute mit blutenden Ohren gesehen, als ich zählen kann"


    "Ich fühlte einen schrecklichen Schmerz im Ohr." So beschreibt der 13-jährige Aqeel Qais Saadaldean den Moment, als sein Elternhaus im Mai 2017 von Bomben getroffen wurde. "Unsere höchste Priorität war es, am Leben zu bleiben." Aqeel und seine...

    "Ich fühlte einen schrecklichen Schmerz im Ohr." So beschreibt der 13-jährige Aqeel Qais Saadaldean den Moment, als sein Elternhaus im Mai 2017 von Bomben getroffen wurde. "Unsere höchste Priorität war es, am Leben zu bleiben." Aqeel und seine Familie treffen wir im Krankenhaus von Mossul. Unter den Folgen des Luftangriffes leidet der Junge bis heute. Denn selbst wenn man sehr laut mit ihm spricht, kann er das Gesagte kaum hören.

    Aqeel ist einer von Tausenden Menschen im Irak, die zwischen 2014 und 2017 ihr Gehör verloren. Damals, als Bomben auf Mossul regneten, um die Stadt aus den Händen des sogenannten Islamischen Staates (IS) zu befreien. Einige werden mit der Zeit ihr Gehör zurückgewinnen, bei anderen sind die Hörnerven für immer durch den Lärm des Kriegs zerstört.

    "Ich habe mehr Leute mit blutenden Ohren gesehen, als ich zählen kann", sagt der 34-jährige Krankenpfleger Saif Saadaldean. Er leitete während der Rückeroberung von Mossul eine improvisierte Notaufnahme. "Wir hatten keine Medikamente, also stopften wir ihnen einfach Wattebäusche in die Ohren."

    Warum hassen so viele Hetero-Männer Horoskope?

    Warum hassen so viele Hetero-Männer Horoskope?


    "Sternzeichen reduzieren Menschen auf ein paar Schubladen mit Charaktereigenschaften", sagt Joe, Mitte 20 und hetero. "Bist du nicht Stier?", frage ich. Ich weiß genau, dass er Stier ist. "Willst du mir jetzt etwa erzählen, dass das typisches...

    "Sternzeichen reduzieren Menschen auf ein paar Schubladen mit Charaktereigenschaften", sagt Joe, Mitte 20 und hetero.

    "Bist du nicht Stier?", frage ich. Ich weiß genau, dass er Stier ist.

    "Willst du mir jetzt etwa erzählen, dass das typisches Stierverhalten ist?", fragt Joe.

    "Stiere gelten als die Sternzeichen, die am wenigsten an Astrologie glauben”, sage ich. Joe kann wirklich gar nichts mit Horoskopen anfangen.

    "Ich gebe ungern den Logikklugscheißer, aber ich finde es einfach ätzend, die Memes dazu sind nervig und ich hasse dieses selbstverherrlichende 'It's [hier Sternzeichen einsetzen] Season, Bitches!'". Damit meint er Leute, die in sozialen Netzwerken jeden Monat bekannt geben, welches Sternzeichen gerade dran ist. Vom 20. Januar bis 18. Februar ist dieses Jahr zum Beispiel Wassermann-Zeit.

    Sorry, ich meine natürlich: Aquarius-Season, Bitches!

    Im Laufe der vergangenen drei Jahre hat sich die Astrologie von einem Nischenhobby zu einem beliebten Zeitvertreib entwickelt, vor allem für zahlreiche Frauen und queere Menschen und vorrangig in Großbritannien und den USA. Die Google-Suchanfragen für Geburtsdiagramme und Partnerschaftshoroskope nehmen dort stetig zu. Auch die Verkaufszahlen für Astrologie-Bücher waren 2017 in Großbritannien um 13 Prozent angestiegen. In Deutschland lässt sich ein solcher Trend noch nicht beobachten.

    Aber dennoch: Auch auf unseren Timelines landen immer wieder Astrologie-Memes. Die Horoskope unseres Snapchat-Channels sind sehr beliebt. Und wenn du dich durch eine Dating-App swipst, stößt du immer wieder auf Menschen, die ihr Sternzeichen in Emoji-Form angeben. Sie wollen damit auf Persönlichkeitsmerkmale hinweisen, auf Vorlieben und Abneigungen – und darauf, ob die Sterne einen für ein gutes Match halten.

    Aus dem VICE-Netzwerk: Wie man türkischen Mokka macht – und im Kaffeesatz liest

    Aber nicht alle machen da mit. Joe ist nicht allein mit seiner Abneigung gegen Sternenleserei. Insbesondere Heteromänner scheinen der Astrologie gleichgültig bis feindlich gegenüberzustehen. In einer britischen Gallup-Umfrage von 2005 gaben fast doppelt so viele Frauen wie Männer an, an Astrologie zu glauben. Eine deutsche Umfrage von 2012 kam zu einem ähnlichen Ergebnis: 33 Prozent der befragten Frauen sagten, dass sie stark oder zumindest teilweise an Horoskope glauben – nur 17 Prozent der befragten Männer teilten diese Meinung.

    Natürlich gibt es zahlreiche Frauen und LGBTQ-Menschen, die überhaupt nichts mit Astrologie anfangen können. Aber warum ist die Ablehnung unter heterosexuellen Männern so viel stärker? Liegt es daran, dass Astrologie generell den Ruf hat, ein "Frauending" zu sein?

    Einige Männer glauben, es läge an ihren Vätern. Die hätten früher die Tageshoroskope in den Boulevardzeitungen gelesen und dabei erkannt, dass jede der vagen Zusammenfassungen auf sie zutreffen könnte. Das war der Augenblick, an dem sie der Astrologie den Rücken zu kehrten. So ging es auch Sam, 27, aus Lincoln: "Es war das erste Mal, dass ich etwas gesehen hatte, dass dermaßen in unsere Kultur eingebettet und totaler Schwachsinn war."

    Die meisten von Männer, mit denen ich für diesen Artikel gesprochen habe, geben allerdings zu, sich nie mit Astrologie angefreundet zu haben, weil es für sie so geschlechterspezifisch war. "Als ich Kind war, sind die Frauen immer für Tee und Kekse zu meiner Oma, wo die ganzen Klatschblätter rumflogen. Dann haben sie sich mit einer Heimlichtuerei und viel Gekicher gegenseitig die Horoskope vorgelesen", erinnert sich der 36-jährige Bob aus Kent. "Horoskope befinden sich in den Zeitungen immer noch neben den Frauenseiten oder direkt in Wochenblättern, die auf Frauen zugeschnitten sind. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Männermagazine wie Esquire irgendetwas in der Art gehabt hätten, als ich sie noch gelesen habe."

    Seine Meinung zu Astrologie? "Zeitverschwendung. Energieverschwendung. Papierverschwendung."

    Sam hat auch den Eindruck, dass Astrologie vor allem als Frauending gilt. Für ihn ergibt die typisch männliche Reaktion, es einfach zu ignorieren, Sinn: "Wenn zum Beispiel ein Mädchen in der Schule ein bestimmtes Buch mag, dann können die Jungs es nicht mehr mögen, weil sie Angst haben, Schwul genannt zu werden. Das Buch wird dann zu einem Mädchenbuch", sagt er. "Das gleiche gilt für Horoskope." Und an der Erziehung liege es auch: "Ich glaube, dass sich Frauen aus Neugier und Spiritualität zu Horoskopen hingezogen fühlen. Die wird Jungs ja schon in jungen Jahren ausgetrieben."

    10 Fragen an einen Künstler, die du dich niemals trauen würdest zu stellen

    10 Fragen an einen Künstler, die du dich niemals trauen würdest zu stellen


    Jeder, der seine Kindergarten-Krakelzeichnungen am Kunstmarkt gegen Geld anbieten würde, käme schnell zu einer Erkenntnis: Es ist leichter "Kunst" zu produzieren, als sie zu verkaufen. Tizian Baldinger hat zwar früher nicht die Wände seines Schweizer...

    Jeder, der seine Kindergarten-Krakelzeichnungen am Kunstmarkt gegen Geld anbieten würde, käme schnell zu einer Erkenntnis: Es ist leichter "Kunst" zu produzieren, als sie zu verkaufen.

    Tizian Baldinger hat zwar früher nicht die Wände seines Schweizer Elternhauses bemalt ("Das hätte eine Ohrfeige gegeben"), aber heute ist er hauptberuflich Künstler. In Hamburg und China hat Tizian Kunst studiert, sein Alter sei nicht wichtig, sagt er. Der Künstler lebt in Berlin. Nicht, weil er die Stadt so lieben würde, sondern weil Berlin die Kunst liebe – und es sich gut in seiner Vita mache. Geschätzte 8.000 professionelle Künstlerinnen und Künstler sollen laut einer Studie allein in der Hauptstadt arbeiten. Für viele sei das ein Verlustgeschäft.

    "Die Kunstwelt ist todeshart", sagt Tizian. Man könne sie mit der Sendung Takeshi’s Castle vergleichen: Jeder Künstler renne unter Zeitdruck durch diesen "abgefahrenen asiatischen Parkour" und habe Angst, bei jedem Hindernis ins Wasser zu fallen und mit nichts auszusteigen.

    Statt mit Leinwand und Farbe arbeitet Tizian mit Neonröhren, Holz, Plexiglas und manchmal auch mit ausgestopften Vögeln. "Wir haben auch mal 200 Euro in aufblasbare Pool-Tiere investiert", sagt er. Darüber wundere sich das zuständige Finanzamt schon lange nicht mehr. Alles, was er macht, sei ein Spiegel seines Lebens, sagt er. Vor allem die skulpturalen Installationen oder Performances, bei denen er zum Beispiel in Unterhose und Maske einen alten Fernseher bei einer Ausstellung hochhält.

    Wir haben Fragen.

    Wir haben 100 Frauen gefragt, was sie sich zum Jubiläum des Frauenwahlrechts wünschen

    Wir haben 100 Frauen gefragt, was sie sich zum Jubiläum des Frauenwahlrechts wünschen


    Beyoncé mag zwar singen: "Who run the world? Girls!", aber die Realität sieht anders aus. Und es tröstet natürlich überhaupt nicht, dass früher alles noch schlimmer war. Zu einer Zeit, als Frauen nicht einmal wählen durften. Das änderte sich mit...

    Beyoncé mag zwar singen: "Who run the world? Girls!", aber die Realität sieht anders aus. Und es tröstet natürlich überhaupt nicht, dass früher alles noch schlimmer war. Zu einer Zeit, als Frauen nicht einmal wählen durften. Das änderte sich mit der Einführung des Frauenwahlrechts im November 1918. Drei Monate später am 19. Januar 1919, durften Frauen dann ihre Stimmen abgeben. Das war sicher ein Meilenstein in der Geschichte – aber noch lange nicht das Ende der Gleichberechtigung.

    Deshalb haben wir 100 Frauen gefragt, was sie sich für die Zukunft wünschen:

    "Keinen Alltagssexismus mehr." – Patrizia, 24, Studentin der Friedens- und Konfliktforschung

    "Es soll endlich mal eine Frau auf dem Mond landen." – Riccarda, 21, Auszubildende in der Gastronomie

    "Ich möchte mich nicht mehr dafür entschuldigen müssen, eine Frau zu sein." – Anna, 24, Marketing-Kauffrau

    "Ich wünsche mir, dass mehrfach diskriminierte Frauen das Mitspracherecht, den Schutz und die Rechte bekommen, die sie verdienen, und intersektionaler Feminismus in der breiten Gesellschaft ankommt." – Rebecca, 26, Journalistin

    "Ich wünsche, Frauen würden sich im Beruf gegenseitig unterstützen und fördern, anstatt sich als Konkurrenz zu betrachten und einander Steine in den Weg zu legen." – Mehtap, 32, Polizistin

    "Vielleicht sollten wir Frauen manchmal weniger kompliziert denken, denn im schlimmsten Fall grenzen wir uns damit noch mehr aus." – Tomke, 26, Stylistin

    "Zum Ende eines Jahres wünsche ich mir meine Taxiquittungen beim Land Berlin einreichen zu können. Für all die Taxifahrten, die ich bezahlen musste, weil man nachts alleine als Frau nicht U-Bahn fahren kann, ohne bedrängt und belästigt zu werden." – Lisa, 29, Journalistin

    "Mehr Respekt und Unterstützung der Frauen untereinander – aber das kann wohl leider kein Gesetz umsetzen." – Madeleine, 24, Key Account Managerin

    "Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sollte als selbstverständlich angesehen werden, damit wir keine angeblichen Hilfsmittel wie die Frauenquote mehr benötigen." – Lisa, 26, Finanzanalystin

    "Frauen sollten mehr Anerkennung für ihre Arbeit bekommen." – Anika, 25, Teamassistentin

    "Ich laufe im Sommer ohne BH und mit unrasierten Achseln herum, ohne dumm angeschaut oder anzüglich begafft zu werden." – Teresa, 24, Studentin Medienkulturwissenschaft

    "Wir werden nie wieder vor krassen Filmen gewarnt, weil die 'für Frauen zu hart sind'." – Miriam, 22, Studentin Medienkulturwissenschaft

    "Soziale Berufe werden auch für Frauen viel besser bezahlt." – Gabriela, 29, Sozialpädagogin

    "Männer kümmern sich mit um die Verhütung." – Sabrina, 28, Projektmanagerin

    "Ein größeres Sicherheitsgefühl im Alltag." – Moresha, 24, Model

    "Mehr Mut, über Tabuthemen zu sprechen wie sexuelle Belästigung und Schwangerschaftsabbrüche." – Jana, 30, Künstlerin

    "Alle Frauen sollten mehr gehört werden – vor allem Women of Color." – Anika, 25, Studentin der Soziologie

    "Ich rede über Marvel-Superhelden, ohne dass jemand sagt, dass die Filme nur Männersache sind und ich das eh nicht verstehe." – Silky, 23, Social Media Redakteurin

    "Die Steuern auf Binden und Tampons verschwinden oder der Staat übernimmt gleich dafür die Kosten." – Elea, 19, Studentin für Lehramt

    "Ich wünsche mir mehr Respekt für Frauen!" – Leila, 21, Verkäuferin

    "Free the Nipple! Ich finde es wichtig, Frauen in den Medien nicht mehr so zu sexualisieren." – Flora, 18, Fotografie-Studentin

    "Homosexuelle Frauen können ihre Freundin in der Öffentlichkeit küssen, ohne dass sich Typen daran aufgeilen." – Eliane, 32, Beamtin

    "Begriffe wie 'Er rennt wie ein Mädchen' oder 'Woo-Girls' werden aus unserem Vokabular gestrichen." – Natascha, 41, Copy Writerin

    "Ich kann ein Kind bekommen, ohne Angst um meinen Job haben zu müssen." – Linda, 34, Hausfrau

    "Ich möchte nicht mehr auf den Gehaltsnachweis meines Kollegen gucken und sehen wie viel er mehr verdient, obwohl er weniger Erfahrung hat." – Yvonne, 28, Abteilungsleiterin

    "Es gibt bessere Alternativen zur Pille und die werden Frauen bis an ihr Lebensende bezahlt." – Miriam, 39, Fachangestellte

    "Wir können den Männern auch mal an die Eier greifen, wenn wir begrapscht werden." – Vivien, 31, arbeitslos

    "Ich fühl mich eigentlich immer gleichberechtigt, nur bei der Bezahlung könnte noch was gehen." – Bianca, 37, technische Redakteurin

    "Wir dürfen auf keinen Fall einen Schritt zurückgehen und müssen weiter unsere Rechte einfordern." – Monika, 67, Floristin

    "Eine Mütterrente, die allen Hausfrauen hilft, entspannt alt zu werden." – Renate, 71, Renterin

    "Ich hoffe auf eine Zukunft, die von allen Geschlechtern gleichermaßen gestaltet wird." – Anna, 35, freiberufliche Redakteurin

    "Junge Frauen sollen auf ihre Work-Life-Balance und trotzdem auf ihre Altersversorgung achten, was bei Teilzeitstellen oft mit einem bösen Erwachen enden kann." – Monica, 65, Rentnerin

    "Frauen sollen sich in Unterwäsche zeigen können, ohne dass sie jemand 'Schlampe' nennt." – Jessica, 36, Verkäuferin

    "Frauen sind mehr als nur Putz- oder Küchenkräfte." – Maxime, 21, in Schwangerschaftspause

    "Haushalt und Kindererziehung werden als Arbeit wahrgenommen und respektiert." – Manuela, 56, Altenpflegerin

    "Der Mann ist nicht mehr das starke Geschlecht und die Frauen das schwache, sondern wir sind verdammt nochmal endlich alle gleich!" – Gina, 23, Arzthelferin

    "Weniger Probleme bei Vorstellungsgesprächen, vor allem wenn Frauen bereits ein Kind haben oder einen Kinderwunsch. Wir Frauen können nichts dafür, dass wir die Kinder bekommen – und nicht die Männer." – Janine, 21, Zahntechnikerin

    "Ich bin wunschlos glücklich und verstehe nicht, warum Gleichberechtigung immer so ein Thema ist." – Gesine, 48, Fachverkäuferin

    "Gleicher Lohn für die Frauen, das kann man nicht oft genug sagen." – Helga, 70, Rentnerin

    "Es sollte selbstverständlich sein, Frauen und Männer im Top-Management zu finden, ohne das Geschlecht zu hinterfragen." – Laura, 24, Studentin der Wirtschaftspädagogik

    "Ich fühl mich als Frau sehr wohl in Deutschland, da haben andere Frauen in der Welt sicher wichtigere Wünsche." – Sabine, 61, Steuerberaterin

    "Die Hälfte der Welt sollte den Frauen gehören!" – Annika, 26, Studentin Politik und Soziologie

    "Leute sagen nicht mehr 'Sind ein paar starke Jungs anwesend?', wenn es was zu Schleppen gibt." – Tina, 15, Schülerin

    "Ich will abends so lange draußen bleiben, wie ich will, ohne dass es heißt: Das ist zu gefährlich für dich." – Fine, 16, Schülerin

    "Frauen dürfen auch ganz easy alleine Kinder adoptieren." – Natascha, 30, Web-Optimiererin

    "Bedingungslosen Grundeinkommen für alle." – Franzi, 26, obdachlos

    "Jede Frau kann ihr Leben so gestalten, wie sie möchte." – Nadine, 28, interkulturelle Trainerin

    "Weniger Frauen auf der Straße sehen, die brüllenden Männern hinterherrennen und gehorchen müssen." – Barbara, 70, Rentnerin

    "Jede Frau findet ihren inneren Frieden – und hört auf, euch ständig mit anderen zu vergleichen." – Marisa, 42, Barista

    "Ich möchte an einer Gruppe Männer vorbeigehen, ohne Pfiffe oder Sprüche zu bekommen." – Nadine, 24, PR-Beraterin

    Wir haben mit dem 3D-Drucker von Aldi einen Dildo gedruckt

    Wir haben mit dem 3D-Drucker von Aldi einen Dildo gedruckt


    Eigentlich wollte ich hier irgendetwas Tiefgründiges schreiben. So etwas macht man als Journalist in der Einleitung. Aber was soll's, du willst hier ja eh nur "das Eine": möglichst schnell zum Dildodruck.Kurz noch ein paar Fakten: Aldi verkauft zur...

    Eigentlich wollte ich hier irgendetwas Tiefgründiges schreiben. So etwas macht man als Journalist in der Einleitung. Aber was soll's, du willst hier ja eh nur "das Eine": möglichst schnell zum Dildodruck.

    Kurz noch ein paar Fakten: Aldi verkauft zur Zeit in Großbritannien 3D-Drucker für 299 Britische Pfund, umgerechnet knapp 340 Euro. (In Deutschland wird das Gerät momentan nicht verkauft.) Also habe ich beim Discounter nach einem Testexemplar gefragt. Was Aldi nicht wusste: Ich wollte ausprobieren, ob man damit auch Dildos drucken kann.

    Warum? Ach, Gründe gibt es genug. Erstens: Was willst du bitte sonst mit einem 3D-Drucker drucken, was du auch tatsächlich benutzt? Sei ehrlich! Zweitens: Wenn du auf Dildos stehst, ist das hier wahrscheinlich die billigste und einfachste Methode, dein eigenes, selbstgemachtes Sexspielzeug zu kreieren. Drittens: Das Geschäft mit Sexspielzeugen boomt. Wäre es nicht schön, daran mitzuverdienen?

    VICE-Video: Im ersten Sexpuppen-Bordell Europas

    Installation des Druckers
    Ich habe mir mein Studium als Escort finanziert

    Ich habe mir mein Studium als Escort finanziert


    Als ich mich mit Anfang 20 von meinem Freund trennte, beschloss ich, in eine andere, größere Stadt zu ziehen, um neu anzufangen. Ich wollte selbst für mich sorgen und unabhängig sein. Ich mietete eine Wohnung in Wien, schrieb mich an der neuen Uni...

    Als ich mich mit Anfang 20 von meinem Freund trennte, beschloss ich, in eine andere, größere Stadt zu ziehen, um neu anzufangen. Ich wollte selbst für mich sorgen und unabhängig sein. Ich mietete eine Wohnung in Wien, schrieb mich an der neuen Uni ein, und fand einen Teilzeitjob. Es war ein spießiger, langweiliger Bürojob bei einem großen internationalen Konzern.

    Ich habe unterschätzt, was das Leben in einer Großstadt kostet. Mit der Wohnung habe ich mich finanziell total übernommen, umziehen war aber auch keine Option. Erst habe ich meinen Bausparvertrag, dann mein Sparkonto leer geräumt.

    Aber auch meine Ersparnisse waren irgendwann aufgebraucht, der Bürojob gab nicht viel her und mein Konto wurde gesperrt, weil ich es stark überzogen habe. Familie oder Freunde um Hilfe zu bitten, kam für mich nicht in Frage. Dafür bin ich zu stolz. Ich wollte mich selbst aus der Schulden-Scheiße ziehen, in die ich mich gebracht habe. Mir war klar: Wenn ich nicht auf der Straße landen will, brauche ich einen neuen Job.

    Auch bei VICE: So normal geht es in den vier Wänden von Sexarbeiterinnen zu

    "Jeder weiß, was ich gleich tun werde"

    Zuerst hatte ich einfache Studentenjobs auf dem Schirm. Aber als Baby- oder Hundesitterin wird man auch nicht reich. Ich brauchte einen Job, mit dem ich in kurzer Zeit viel Geld verdienen konnte. Neben meinem Wirtschaftsstudium und dem Bürojob blieb mir allerdings nicht viel Zeit übrig. Also beschloss ich, als Escort-Dame zu arbeiten. Man ist flexibel und verdient in kurzer Zeit sehr viel Geld.

    One-Night-Stands waren nicht mein Ding, aber der Job schien mir zu diesem Zeitpunkt der einzige Weg zu sein. Man könnte sagen, dass die Umstände mich bereits abgestumpft hatten. Ich nahm mir vor, das alles nicht emotional an mich heranzulassen und nicht so viel darüber nachzudenken.

    Beim Escort geht es nicht nur um Sex. Das ist der Unterschied zur Prostitution. Man kauft sich für ein paar Stunden eine Freundin. In dieser rein geschäftlichen Beziehung geht es nur um den Mann und seine Bedürfnisse – die körperlichen und die emotionalen.

    Ich begann, im Internet zu recherchieren, und fand verschiedene Portale, auf denen man sich als Escort anbieten kann. Entschieden habe ich mich für eine Datingseite mit einem Bewertungssystem. Freier und Escorts beurteilen sich dort nach einem Date gegenseitig. So fühlte ich mich sicherer.

    Ich erstellte einen Account, gab meine Vorlieben und meine Tabus an, Analsex und Natursekt kamen für mich nicht in Frage. Ich lud ein paar sexy Bilder von mir in Reizwäsche hoch und hatte sehr bald Interessenten.

    Ein Typ schrieb mir schon nach kurzer Zeit. Er wirkte sehr höflich. Wir tauschten ein paar Nachrichten aus, er gab mir seine Adresse, wir vereinbarten Uhrzeit und Preis. Ich nahm pro Stunde 150 Euro und Dates unter zwei Stunden würde ich erst gar nicht annehmen. Erst auf dem Weg wurde ich nervös. Da war dieser eine Gedanke, den ich nicht los wurde: Jeder weiß, was ich gleich tun werde.

    "Du bist mein erster Kunde", habe ich gesagt. Er sah mich beruhigend an: "Mach dir keine Sorgen"

    Ich fuhr zur angegebenen Adresse in einen der nobleren Bezirke Wiens. Ich hatte keine Ahnung, wie der Mann, mit dem ich gleich schlafen werde, aussieht. Als er mir die Tür aufmachte, war ich erleichtert. Er war groß, gut gebaut und um die 30 – mit den dunklen Haaren und dem Bart war er sogar fast mein Typ. Er behauptete, ein wohlhabender Geschäftsmann zu sein. Die Wohnung war stilvoll eingerichtet. Er hatte überall Kerzen aufgestellt. Ich war immer noch wahnsinnig aufgeregt. Mein ganzer Körper hat gezittert. Natürlich hat er das bemerkt. Also war ich ehrlich. "Du bist mein erster Kunde", habe ich gesagt. Er sah mich beruhigend an: "Mach dir keine Sorgen".

    Er hatte sogar für uns gekocht. Es gab Hühnchen mit Soße und Reis, zum Nachtisch ein Schokoladendessert. Den restlichen Abend lang haben wir uns einfach nur unterhalten. Miteinander geschlafen haben wir nicht. Am Ende hat er sich für den schönen Abend bedankt und ich bekam trotzdem den vereinbarten Betrag. Für mich war es unglaublich, dass ich gerade so viel Geld in der Hand hielt, ohne die eigentlich vereinbarte Gegenleistung erbracht zu haben.

    Mein richtiges erstes Mal hatte ich dann mit einem Typen, der geschäftlich in der Stadt war. Ich war viel weniger nervös und hatte mich sehr gut im Griff, als ich an der Hotelzimmertür stand. Ich habe tief durchgeatmet und geklopft. Wir haben ein paar Drinks genommen und uns über Alltägliches unterhalten. Smalltalk, wie man ihn mit Menschen führt, die man kaum kennt. Den ersten Schritt hat er dann gemacht.

    Es war nichts Besonderes für mich, nur Sex. Wie bei einem normalen Tinder-Date, bei dem man sich für einen One-Night-Stand verabredet. Nur dass man für den Sex bezahlt wird.

    Die meisten Männer, die Dates bei mir gebucht haben, waren zwischen 40 und 50 Jahre alt. Sehr gefragt war Girlfriend-Sex. Mein Dates haben mir erzählt, dass sie keine Professionals wollen, sondern Zeit mit dem "Mädchen von nebenan" verbringen möchten. Manche Kunden hatten auch sehr konkrete Outfit-Wünsche. Von Sneakers mit Jeans bis zu Strapsen und Lack und Leder war alles dabei. Bei den Treffen haben wir uns über Belangloses unterhalten, das Wetter zum Beispiel. Wir haben getrunken, gegessen, gelacht. Eine schöne Zeit zu haben, ist genauso wichtig wie der Spaß im Bett. Deswegen hatte ich auch nicht mit allen Sex.

    Getroffen habe ich meine Dates meistens in Stundenhotels, seltener in ihrer Wohnung. Prostituierte kann man meist in Bordellen oder Wohnungen besuchen. In meiner Wohnung wollte ich das einfach nicht tun. Auch aus Selbstschutz. Küssen und Kuscheln waren für meine Dates verboten. Das ist etwas, was ich nur mit einem Menschen teilen möchte, für den ich wirklich Gefühle empfinde. Es war mir extrem wichtig, dass diese Grenze nicht überschritten wird.

    Ein Date war für mich einfach nur ein Job. Ich gehe hin, tu es, und gehe wieder heim. Über alles andere wollte ich dabei nicht groß nachdenken.

    "Für mich war Diskretion extrem wichtig"

    Einmal bin ich eingeschlafen, während mein Date mich geleckt hat. Als ich Stunden später aufgewacht bin, war ich panisch. Er hatte sich zu mir gelegt. Ich habe mich tausendmal entschuldigt, aber er fand es einfach nur süß. Er gab mir das Doppelte von dem, was wir vereinbart hatten und bedankte sich für das tolle Date.

    Für mich war Diskretion extrem wichtig. Wenn mein Umfeld davon wüsste, wären die meisten sehr enttäuscht. Meine Familie würde mich mit anderen Augen sehen. Daher habe ich nie gesagt, wie ich wirklich heiße, woher ich komme oder sonst irgendeine persönliche Information genannt. Ich finde das sehr schade. Es ist okay, sich im Club für ein paar Drinks flachlegen zu lassen, aber sein Geld durch Sexarbeit zu verdienen, wird verurteilt. Ich habe bisher nur meinem aktuellen Freund erzählt, dass ich Sexarbeiterin war.

    Man gewöhnt sich an das schnelle Geld. Ich habe weitergemacht mit den Dates, obwohl ich alles abbezahlt hatte. Das hat mich unvorsichtig werden lassen – bis ich zu weit gegangen bin.

    "Stundenhotels. Das ist einer dieser Orte, vor denen man als Kind gewarnt wird – Sodom und Gomorra"

    Ein Kunde, den ich zuvor noch nie getroffen hatte, bat um zwei Dates an zwei aufeinander folgenden Tagen. Am ersten Tag trafen wir uns in einem Sexshop um Fesseln, ein Lackoutfit und eine Lederpeitsche für mich zu besorgen.

    Der Kerl war richtig eklig, er roch nach Zigarettenrauch und einem starken, billigen Aftershave. Er wollte mich fesseln, mir die Augen verbinden und mich auspeitschen. Kein Sex. Daher willigte ich ein.


    Am nächsten Tag haben wir uns in einem muffigen alten Stundenhotel verabredet. Stundenhotels sind Orte mit eigener Energie und Dynamik. Es mieft nach kaltem Zigarettenrauch und billigem Raumspray. Aus den anderen Zimmern hört man das Gestöhne anderer Paare, während man die Treppen hochsteigt. Das ist einer dieser Orte, vor denen man als Kind gewarnt wird – Sodom und Gomorra. Als ich an Händen und Füßen gefesselt und mit verbunden Augen auf dem Bett lag, wollte er heimlich Fotos von mir machen. Das war nicht abgesprochen. Als ich ihn darauf ansprach, wurde er richtig cholerisch. Er hat an den Ketten meiner Fesseln gezerrt und mich angeschrien. Schließlich hat er doch die Fesseln geöffnet. Er sagte, dass ich wegen ein paar Fotos alles kaputt gemacht hätte. Ich konnte die Wut in seinen Augen sehen.

    Er ist gegangen und hat mir die Hälfte des Geldes hingeklatscht. Eine Stunde lang lag ich noch alleine auf dem Bett im Stundenhotel und habe geheult. Ich habe mich alleine gefühlt. Es war schwer, in diesem Moment keine Vertrauensperson zu haben.

    Ich habe mir noch am selben Tag geschworen, dass ich mit dem Escort-Service aufhören werde. Heute hoffe ich, dass ich nie wieder in eine Situation komme, in der es keinen anderen Ausweg gibt. Aber ich schäme mich nicht für das, was ich getan habe. Für mich war es nur ein Job, nichts Persönliches. Ich habe nicht viel darüber nachgedacht. Ich würde es wieder tun, wenn es notwendig ist.

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