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    Warum ich als Feministin nicht bei #metoo oder #whyIdidntreport mitmache

    Warum ich als Feministin nicht bei #metoo oder #whyIdidntreport mitmache


    Montagmorgen, 7:30 Uhr, vor dem ersten Kaffee: Ich scrolle müde durch meine Twitter-Timeline, zwischen einem Delfin-GIF und einer unglaubwürdigen Anekdote über einen besonders schlagfertigen Vierjährigen entdecke ich einen Tweet der Sängerin Neko...

    Montagmorgen, 7:30 Uhr, vor dem ersten Kaffee: Ich scrolle müde durch meine Twitter-Timeline, zwischen einem Delfin-GIF und einer unglaubwürdigen Anekdote über einen besonders schlagfertigen Vierjährigen entdecke ich einen Tweet der Sängerin Neko Case. Sie schreibt: "Wäre es nicht cool, wenn wir unsere Vergewaltigungs-Geschichten nicht teilen müssten, um unsere Rechte und uns selbst zu legitimieren?"

    Ich nicke. Der Tweet fasst etwas in Worte, das schon länger in mir arbeitet. Er erklärt, wieso ich mich trotz meiner Gewalt-Erfahrungen nicht zu #metoo und #whyIdidntreport äußere – obwohl ich Feministin bin.

    Es ist nicht so, dass struktureller Sexismus am vergangenen Wochenende entdeckt wurde: 2013 gab es #aufschrei; 2017 fingen Betroffene an, ihre Erfahrungen mit Belästigungen und sexualisierter Gewalt unter #metoo zu teilen; nun schreiben sie ihre Geschichten unter #whyIdidntreport auf. Ich bewundere die Frauen und nicht-binäre Personen, die sich der Öffentlichkeit so öffnen. Aber es ärgert mich, dass die Verantwortung auch nach Jahren der Aufklärung noch immer bei den Betroffenen liegt.

    Ich will meine schmerzhaftesten Erlebnisse nicht vor Jochen aus Schwabingen auf meinem Twitter-Account zerlegen müssen, nur damit der erkennt: Sexismus ist real. Körperliche oder sexualisierte Gewalt sind für Betroffene nicht nur traumatisch, während sie passieren. Vielen fällt es auch lange danach schwer, darüber zu sprechen. Aus Scham- oder Schuldgefühlen, oder einfach, weil es sie triggert, die Angst, die Schmerzen und die Scham beim Erzählen noch einmal zu durchleben.

    Dabei sollten wir den Scheiß eigentlich nicht ständig wiederholen müssen, damit Täter ihr Verhalten reflektieren. Und wenn wir es doch tun, können wir dafür mindestens Dankbarkeit und die Bereitschaft zur Selbstkritik verlangen. Stattdessen stürzen sich empathielose Hundesöhne auf die Nutzerinnen, überschwemmen deren intime Erfahrungen mit weinerlichen #notallmen-Kommentaren und wiederholen mantrahaft, dass sie ja nun wahrscheinlich "nie wieder flirten dürften".

    Kampagnen-Hashtags sind Empowerment für Betroffene

    Betroffenen kann es viel Kraft geben, ihr Erlebtes unter aktivistischen Hashtags zu teilen – oder zumindest die Geschichten anderer zu lesen: Sie sehen, dass sie nicht alleine sind und finden unter ihnen eine Community, mit der sie sich öffentlich oder privat über Gewalterlebnisse oder sexuelle Belästigung austauschen können. Hashtag-Kampagnen sind in erster Linie empowernd für Betroffene. Aber sie haben auch die Macht, sexistische Arschlöcher wie Harvey Weinstein aus den lederbezogenen Drehstühlen ihrer Penthouse-Büros zu heben.

    Auch bei VICE: Boxgirls: Nairobis Frauen schlagen zurück

    Frauen aus allen möglichen Berufsgruppen haben unter #metoo gezeigt, wie Männer ihre Positionen ausnutzen, um Grenzen zu überschreiten. Marginalisierte Personen haben mit #metwo und #mequeer darauf hingewiesen, wie sie aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Sexualität, ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion zum Teil sogar Mehrfach-Diskriminierung erleben. Und Betroffene haben bei #whyIdidntreport erklärt, dass sie sich mit diesen Erfahrungen in der Gesellschaft und selbst bei der Polizei nicht immer ernst genommen fühlen.

    Sicherlich reflektieren manche Nutzer und Nutzerinnen ihr Verhalten, seit sie die Geschichten unter den Hashtags gelesen haben, mehr als zuvor. Doch Gewalt an Frauen ist eine Realität, die uns auch ohne Hashtags und explizite Erfahrungsberichte geglaubt werden sollte.

    Beweise gibt es schließlich genug: Bei einer Prävalenzstudie des Familienministeriums [PDF] aus dem Jahr 2004 sagten 40 Prozent der befragten Frauen, sie hätten seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche oder sexualisierte Gewalt erfahren. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) wurden schon einmal sexuell belästigt. Jede vierte Frau hat laut Familienministerium körperliche oder sexualisierte Gewalt in einer Partnerschaft erfahren.

    Ihr braucht dennoch Details? Im Jahr 2016 wurden in Deutschland über 81.000 Frauen von ihren Partnern vorsätzlich verletzt, davon fast 12.000 schwer. 357 Frauen wurden innerhalb einer Beziehung ermordet oder getötet. Das alles sind nur die Fälle, die in einem Jahr bei der deutschen Polizei angezeigt wurden.

    Ich will mich niemandem emotional ausliefern

    Auch ich habe in meinem Leben Dinge erlebt, die ich unter #metoo hätte erzählen können. Auch ich könnte unter #whyIdidntreport erklären, warum ich damit nicht zur Polizei gegangen bin. Und auch ich hätte unter den Tweets wahrscheinlich unqualifizierte und empathielose Kommentare lesen müssen, die mich für all das selbst verantwortlich gemacht oder mir die Erfahrungen abgesprochen hätten. Doch ich habe weder die Energie, mich dafür dumm von der Seite anlabern zu lassen. Noch bin ich dazu bereit, mich der Welt emotional so auszuliefern.

    Als ich vergangenen Oktober die ersten #metoo-Tweets gelesen habe, habe ich überlegt, ob ich mich dazu äußere. Ich war nicht dazu bereit, diesen Teil meiner Privatsphäre aufzugeben.

    Es ist nicht so, dass ich tief traumatisiert wäre. Aber ich habe auch noch nicht alles verarbeitet: Der Gedanke, dass meine Kolleginnen und Kollegen, meine Familie oder Leute auf der Straße mich sehen und an Dinge denken, die ich hinter einem Hashtag bei Twitter aufgeschrieben habe, bereitet mir Bauchschmerzen. Und ich will auch nicht bemitleidet werden.

    Meine Leiden sind nicht der Opfer-Porno fremder Menschen. Ich erwarte, dass man mir und anderen Betroffenen auch ohne die Details glaubt, dass körperliche sexualisierte Gewalt ein Problem sind. Und falls ihr an dieser Stelle enttäuscht aus dem Artikel aussteigt, weil ihr voyeuristisch veranlagt seid und euch auf eine Vergewaltigungs-Geschichte gefreut habt, seid ihr Teil dieses Problems.

    Unter dem Tweet von Neko Case schrieb eine Frau: "Betroffene haben nicht die Pflicht, ihre Erlebnisse zu teilen. Aber sie haben auch nicht die Pflicht, das Geheimnis eines Täters zu wahren." Eine andere Nutzerin antwortete, dieser Tweet habe sie dazu gebracht, einen Mann anzuzeigen.

    Für mich mögen Hashtags aktuell nicht der richtige Weg sein, meine feministischen Forderungen mit der Welt zu teilen. Für andere sind sie sogar der Anstoß, einen Täter juristisch zur Verantwortung zu ziehen. Und diese Sprache verstehen sogar die, die noch nie von #metoo gehört haben.

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    Das Oktoberfest ist keine zwei Tage alt und es gab schon sexualisierte Übergriffe

    Das Oktoberfest ist keine zwei Tage alt und es gab schon sexualisierte Übergriffe


    Nicht mal ein halber Tag ist auf dem Oktoberfest vergangen, als am Samstag eine 24-jährige Touristin aus Schweden von einem 24-Jährigen und seinem 43-jährigen Begleiter festgehalten wird. Der jüngere Mann greift ihr unter den Rock. Die Frau kann sich...

    Nicht mal ein halber Tag ist auf dem Oktoberfest vergangen, als am Samstag eine 24-jährige Touristin aus Schweden von einem 24-Jährigen und seinem 43-jährigen Begleiter festgehalten wird. Der jüngere Mann greift ihr unter den Rock. Die Frau kann sich erfolgreich wehren, der Grapscher lässt von ihr ab. Die Polizei nimmt die Männer anschließend fest, weil beide Serben sind und keinen festen Wohnsitz in München haben. Sie werden dem Haftrichter vorgeführt.

    Am selben Abend wird ein weiterer Mann von den Sicherheitskräften aus einem Zelt geführt. Der Grund: Er hat Frauen unter den Rock fotografiert. Eine junge Frau hatte den Festzeltbesucher dabei beobachtet und der Security gemeldet. Nachdem gegen ihn Anzeige erstattet wurde und er eine Sicherheitsleistung gezahlt hat, wird er wieder entlassen.

    Auch bei VICE: Aufstand der Rechten

    Die Stadt München und die Polizei betonen gerne, wie friedlich die Wiesn ist. Und das obwohl Schlägereien mit zerbrochenen Bierkrügen eher die Regel als die Ausnahme sind. Und es auch kein Geheimnis ist, dass vor allem Frauen auf dem Oktoberfest immer wieder Opfer von sexueller Belästigung und Gewalt werden.

    Letztes Jahr meldete die Polizei 67 Fälle – die Zahl hatte sich somit gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Doch der enorme Anstieg liegt laut Polizei weniger daran, dass mehr Grapscher unterwegs sind, sondern an den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Vor allem durch die ausgebaute Videoüberwachung könnten mehr Fälle registriert und zur Anzeige gebracht werden.

    Das bestätigt auch Kristina Gottlöber von der Initiative "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen". "Die Sicherheitsfrage ist immer kompliziert", sagt sie. "Doch gerade auf dem Oktoberfest, auf dem es sehr unübersichtlich ist, werden sexuelle Übergriffen ansonsten übersehen", sagt Gottlöber gegenüber VICE. Seit die Videoüberwachung eingeführt wurde, könnten Polizisten schneller eingreifen und mehr Täter festnehmen.

    Doch nicht nur die Polizei sensibilisiert sich immer mehr für sexuelle Übergriffe. Die Bereitschaft von Oktoberfestgästen und Angestellten Vorfälle zu melden, sei gestiegen, hieß es in der Oktoberfest Bilanz 2017 der Münchner Polizei.

    Härtere Strafen für Wiesn-Grapscher

    Tätern, die Frauen auf der Wiesn belästigen, drohen seit November 2016 härtere Strafen. Für die Gesetzesänderung hatte erst die Kölner Silvesternacht passieren müssen – als ob es nicht schon in den Jahren davor bei Massenveranstaltungen zu Belästigungen und Vergewaltigungen gekommen war.

    Das Grapschen galt bis zur Verschärfung des Sexualstrafrechts meist als "Beleidigung auf sexueller Grundlage", seit zwei Jahren ist das Grapschen nun "sexuelle Belästigung". Was sich durch die neue Gesetzeslage verändert hat, zeigt ein Gerichtsurteil im Februar 2018 vom Münchner Amtsgericht.

    Wie die FAZ berichtet, griff ein 38-jähriger Oktoberfestbesucher 2017 zwei Frauen in den Intimbereich, nachdem er mit drei Freunden ein Festzelt verließ. Sein Freund äffte das erste Opfer noch nach, als die Frau sich beschwerte. Einer weiteren Frau griff der 38-Jährige in der Nähe eines Autoscooters zwischen die Beine, sie hatte Schmerzen, weil sein Griff so fest war. Wenig später traf die Polizei ein und verhaftete die vier Männer noch auf der Theresienwiese. Alle kamen in Untersuchungshaft.

    Gegen zwei Männer wurde das Verfahren eingestellt, der Mann, der die Frau nachäffte, wurde wegen Beihilfe zur sexuellen Belästigung mit einer Geldstrafe verurteilt. Der Grapscher wurde wegen sexueller Belästigung in zwei Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer achtmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

    Ohne die Strafrechtsverschärfung hätten die zwei Männer noch mildere Strafen erhalten. Bei einem besonders schweren Fall kann eine Grapscherin oder ein Grapscher nun mit bis zu fünf Jahren Haftstrafe verurteilt werden. Und es kann zur Anklage kommen, auch wenn das Opfer selbst keine Strafanzeige stellt.

    Weil die junge Frau nach dem Vorfall bei dem Autoscooter von der Polizei nicht aufzufinden war und lediglich Zeuginnen des Übergriffs eine Aussage machen konnten, wäre es vor der Gesetzesänderung nicht zu einer Anzeige gekommen, die beiden Männer wären niemals verurteilt worden.

    Update vom 24. September 2018, 18:27: Nach dem ersten Erscheinen dieses Artikels hat die Polizei einen Fall eines weiteren Mannes vermeldet, der am Sonntag eine Besucherin unter den Rock fotografiert haben soll. Er erhielt eine Anzeige wegen sexueller Beleidigung und Körperverletzung, nachdem es zu einer Prügelei zwischen ihm und Zeugen gekommen sein soll.

    Richtigstellung: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, der unter-den-Rock-Fotografierer habe lediglich ein Bußgeld gezahlt. Richtig ist, dass er eine Sicherheitsleistung zahlen musste und das Verfahren gegen ihn nicht abgeschlossen ist. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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    Seit Monaten landet Koks an den Stränden der Fidschi-Inseln

    Seit Monaten landet Koks an den Stränden der Fidschi-Inseln


    Über 100 Pakete reinstes Kokain sind im Laufe der vergangenen drei Monate an Fidschis Küsten gelandet. Als erstes waren die Lau-Inseln betroffen. Anfang Juli lagen an einem abgelegenen weißen Sandstrand 31 Pakete mit einem Gesamtgewicht von 40...

    Über 100 Pakete reinstes Kokain sind im Laufe der vergangenen drei Monate an Fidschis Küsten gelandet. Als erstes waren die Lau-Inseln betroffen. Anfang Juli lagen an einem abgelegenen weißen Sandstrand 31 Pakete mit einem Gesamtgewicht von 40 Kilogramm und einem geschätzten Wert von umgerechnet 12 Millionen Euro. Innerhalb der nächsten zwei Wochen folgten neun weitere und die Serie setzte sich fort.

    In den vergangenen sechs Wochen hinterließen die Gezeiten Dutzende weitere solcher Bündel an den Stränden des Inselstaats. Das Fundgebiet wuchs: Es reicht inzwischen von den Lau-Inseln nach Bua über Taveuni bis Yasawa. Die Polizei vermutet, dass weitere Pakete auf verlassenen abgelegenen Inseln angekommen sind. Sie alle tragen das gleiche Logo: ein Büffel auf grüner Weide.

    Aber bislang scheint niemand zu wissen, woher sie kommen.

    Auch von VICE: So wurde ich ein internationaler Kokainschmuggler

    Fidschis Polizeichef, Brigadegeneral Sitiveni Qiliho, bestätige vergangene Woche, dass der Fall gemeinsam mit australischen Behörden untersucht werde. Fidschis Marine versucht derweil die Drogenquelle ausfindig zu machen. Bislang beruhten die Ermittlungen vor allem auf ehrlichen Menschen, die die gefundenen Pakete den Behörden übergeben hatten.

    Diverse Päckchen waren jedoch nicht mehr ganz unversehrt, als sie den Beamten übergeben wurden, wie The Fiji Times berichtet. Die Polizei rief die Öffentlichkeit dazu auf, verdächtiges Strandgut nicht zu öffnen.

    "Wir raten Bürgerinnen und Bürgern dringend davon ab, die Pakete zu öffnen. Es ist gefährlich", sagte Polizeisprecherin Ana Naisoro der Fiji Broadcasting Corporation. "Wie wir bereits erwähnt haben, handelt sich um Kokain in seiner reinsten Form. Wir sorgen uns um Ihre Sicherheit."

    Polizeikommissar Qiliho betont, dass die Drogen nie für Fidschi bestimmt gewesen seien. Er glaube, dass sie bereits vor einem Jahr im Meer gelandet sein könnten.

    "Sie wurden für ein anderes Ziel ins Meer geworfen", sagt er. "Wir arbeiten mit unseren australischen Kolleginnen und Kollegen hart daran, den Ort ausfindig zu machen, an dem das passiert sein könnte. (…) Unsere Analysen zeigen, dass da draußen weitere Pakete schwimmen könnten."

    Und was halten Fidschis Einwohner von der ganzen Geschichte?

    "Die Menschen von Fidschi sind einfach neugierig, wem die Drogen gehören und warum sie in Fidschi gelandet sind", erklärt Akosita Talei, Journalistin der Fiji Broadcasting Corporation VICE in einer E-Mail. "Es ist sehr unheimlich, wenn man bedenkt, wie viele Drogen allein in einem Zeitraum von drei Monaten entdeckt wurden. Die Tatsache, dass sie auf so vielen Inseln angeschwemmt werden, macht es noch unheimlicher. Wie lang sind sie schon hier? Ist das neu oder geht das bereits seit Jahren so? Es wirft einfach so viele Fragen auf."

    Wenige Wochen bevor die Päckchen an Fidschis Stränden auftauchten, hatten die Behörden in Tonga ähnlich markierte Pakete sichergestellt. Wenn Qiliho mit seinen Vermutungen richtig liegt, reist das Koks mit der Strömung Hunderte Kilometer durch den Pazifik. In ein oder zwei Monaten könnten die Pakete dann sogar in Australien auftauchen.

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    Wie viel Geld musst du verdienen, bevor dir die Sicherungen durchbrennen?

    Wie viel Geld musst du verdienen, bevor dir die Sicherungen durchbrennen?


    Wer ist dein Lieblings-Milliardär? Falsche Antwort! Milliardär zu sein ist zutiefst unmoralisch. Alle Milliardäre sollten enteignet, gevierteilt und ihre Köpfe zur Abschreckung vor den Stadttoren aufgespießt werden. Aber abgesehen davon: Wer ist...

    Wer ist dein Lieblings-Milliardär?

    Falsche Antwort!

    Milliardär zu sein ist zutiefst unmoralisch. Alle Milliardäre sollten enteignet, gevierteilt und ihre Köpfe zur Abschreckung vor den Stadttoren aufgespießt werden. Aber abgesehen davon: Wer ist dein Lieblings-Milliardär?

    Wenn du jetzt was anderes antwortest als Elon Musk, dann hast du das Milliardärs-Fan-Dasein nicht verstanden. Es geht hier nicht darum, dass Musk Rick and Morty ganz cool findet. Es geht darum, welche Person du selbst wärst, wenn du so eine unanständig fetten Haufen Geld hättest. Darum und nur darum geht es.

    Denn wenn du Milliardär wärst, wärst du dann Bill Gates (ein Wohltäter, der irgendwie immer noch so aussieht, als würde ihm jemand jeden Dienstag das Pausengeld abziehen)? Jeff Bezos (ein kaltherziger Muskelprotz – der Bösewicht, der im nächsten Expendables-Streifen als erster mit einer Granate weggesprengt wird)? Mark Zuckerberg (ein lebendig gewordenes graues T-Shirt; ein Alien, das sich immer wieder daran erinnern muss, zu blinzeln)? Richard Branson ("Mama, warum verklagt die alte bärtige Frau das Gesundheitssystem?")?

    Oder wärst du lieber Elon Musk, der ständig irgendwelchen Scheiß ins Weltall schießt und was mit berühmten Frauen anfängt? Der so reich ist, dass er es sich leisten kann, einen Höhlentaucher einen "Pädophilen" zu nennen. Dreimal hintereinander. Der ständig Scheiße über andere twittert. Der so reich ist, dass er juristisch quasi kugelsicher ist, und das auch genau weiß.

    Wie bitte? So bist du nicht? Komisch. Ich bin das nämlich definitiv. Aber sowas von. Also – sollte ich jemals reich werden, dann gnade uns Gott.

    Auch von VICE: Russische Oligarchen lassen es krachen

    Du bist immer noch nicht überzeugt, dass du als Milliardär genau wie Elon Musk wärst? OK, lass mich dich überzeugen. Ich hole ein bisschen aus. OK? OK.

    Anfang September paffte Musk in der Joe Rogan Show einen Joint. Wir erinnern uns alle daran, weil er das mit der semi-unschuldigen Beiläufigkeit eines 13-Jährigen tat, der gerade versucht hat, seinen Schwanz in ein N64 zu stecken. Am nächsten Tag – wegen der Kifferei, aber auch, weil zwei Vorstandsmitglieder kündigten und wegen den Nachwirkungen seiner Tweet-Ankündigungen, seine Firma wieder von der Börse nehmen zu wollen; uuu-und wegen einem New York Times-Interview, in dem Musk anfing, zu weinen, – brach der Aktienkurs von Tesla um sechs Prozent ein. Disclaimer: An dieser Stelle sollte ich kurz erwähnen, dass ich richtig schlecht in Mathe bin und das alles, was jetzt kommt, viel mit Mathe zu tun hat. OK? OK.

    Wie viel Geld hat Elon Musk der Joint privat gekostet?

    Laut CNBC besaß Musk im Juni dieses Jahres 33,7 Millionen Tesla-Aktien. Am Donnerstag, bevor er sich einen Zug von Rogans fettem Dübel gönnte, wurden die Aktien an der Börse mit 280,95 US-Dollar gehandelt. Musks Tesla-Anteil betrug also 9.468.015.000 US-Dollar. Am Freitag, nachdem er vor laufenden Kameras feinstes Weed geharzt hatte, stürzte der Aktienpreis auf 260,23 US-Dollar ab. Musks Tesla-Vermögen schrumpfte auf 8.772.784.000 US-Dollar.

    Der Reichtum vieler Milliardäre ist ziemlich abstrakt – das Vermögen ist an irgendwelche Immobilien gebunden oder an Aktien, die je nach Tag an Wert gewinnen oder verlieren. Das tatsächlich zur Verfügung stehende Geld liegt also weit unter dem Vermögen. Wie dem auch sei: Meinen Berechnungen zufolge hat ein einziger Zug an der Sportzigarette Elon Musk 695.231.000 US-Dollar gekostet. Sechshundertfünfundneunzig Millionen US-Dollar.

    Deine Mutter hat dich bestimmt mal mit ein bisschen Gras erwischt und du musstest dir dann ein paar ernste Worte über dein Gehirn und Entwicklungsstadium anhören. Vielleicht hast du sogar drei Tage Hausarrest bekommen. Aber hast du jemals so krass eine Bong gerippt, dass das Bruttoinlandsprodukt eines ganzen Inselstaates verschwunden ist?*

    Wie dem auch sei. Durch Musks herrlich launenhaftes Benehmen in jüngerer Zeit habe ich eins erkannt: Irgendwann entgleist jedem Milliardär das Oberstübchen. Nur: Wäre es nicht cool, zu wissen, wann dieses Irgendwann ist? Ich habe mich auf jeden Fall gefragt: Ist dieser Hang zum Wahnsinn etwas, das jedem Milliardär von Natur aus innewohnt, oder ist es etwas, das normale Menschen ereilt, wenn sie länger so einem unerhört hohen Kontostand ausgesetzt sind? Was ich sagen will: Sind Milliardäre Milliardäre, weil sie ein bisschen komisch sind, oder sind sie ein bisschen komisch, weil sie Milliardäre sind? Oder nochmal anders gefragt:

    Wie viel Geld muss ich verdienen, bis ich durchdrehe?

    Ich musste es einfach herausfinden und habe darauf sehr viel, wahrscheinlich zu viel Zeit verwendet. Ich habe dafür die Vermögensentwicklung der fünf bereits erwähnten Milliardäre untersucht. Sie alle repräsentieren grob ein Ende der Milliardärs-Persönlichkeits-Matrix:

    Zuerst werde ich im Folgenden nun den unfassbaren Reichtum der fünf Männer erklären, danach werde ich ihre bemerkenswertesten Fälle irrationalen Handelns darlegen. Am Ende wird alles miteinander verglichen und, tadaa, wir landen beim exakten Vermögenswert, den du erreichen musst, bevor du als CEO in Podcasts kiffst und Azealia Banks in deinem Haus einsperrst.

    Und nein, Inflation habe ich natürlich nicht bedacht, weil super öde. Und ja, ich entscheide höchst persönlich und subjektiv, was als bekloppt zu gelten hat und was nicht.

    Bill Gates

    Vermögen: Wenn Milliardäre eine Geschmacksrichtung hätten, wäre Bill Gates definitiv Vanilleeis. 1981 wurde er durch seine Firma Microsoft zum Millionär. Seinen 30. Geburtstag feierte er in einer Rollschuh-Disco und er bekam ein paar Strafzettel für zu schnelles Fahren. Das war Gates' wildeste Phase.** Als Microsoft 1986 an die Börse ging, drehten alle komplett durch und Gates wurde über Nacht zu einem weltberühmten Milliardär. Seit du lebst und denken kannst, war Bill Gates fast durchgängig der reichste Mann der Welt, bis Bezos ihn dieses Jahr überholte.

    Das ist eine Grafik von Bill Gates' Reichtum. Dir wird auffallen, dass sein Alter auf der X-Achse nicht ganz stimmt. Das ist auch bei anderen Tabellen in diesem Artikel so, weil ich Excel nicht davon überzeugen konnte, es zu ändern

    Wahnsinn: 2006 gab Bill Gates bekannt, sich von Microsoft zurückzuziehen und voll auf sein Mäzen-Dasein konzentrieren zu wollen. 2009 verpflichtete er sich mit dem "Giving Pledge", zu Lebzeiten mindestens die Hälfte seines Vermögens abzugeben. Und seitdem hat er ... nichts übermäßig Durchgeknalltes gemacht. 2012 pumpte er etwas Geld in die Entwicklung von Vitamin-A reichen Bananen? 2015 trank er ein Glas aufbereitetes Klowasser? Hm. Keine seiner Aktionen ist besonders wahnsinnig und der Großteil davon kommt auch noch Entwicklungsländern zugute?

    Gates ist unser Kontroll-Milliardär: der größte angehäufte Reichtum, den jemals ein Mann angehäuft hat, die geringsten Anzeichen von Wahnsinn, die jemals ein Milliardär geäußert hat. Bill Gates ist das Ideal eines stinkreichen Mannes.

    Dieses Diagramm zeigt jedes Mal, das Bill Gates komische Sachen abgezogen hat. Fälle von besonders bemerkenswerter Schrulligkeit sind blau markiert. Dir wird auffallen, dass es kein Blau in diesem Diagramm gibt Richard Branson

    Vermögen: Branson verdiente als Teenager sein erstes Geld mit seinem Magazin Student, indem er rivalisierende Unternehmen gegeneinander ausspielte. "Bald lernte ich: Wenn ich Cola sage, dass Pepsi definitiv dabei ist, unterschreibt Cola auch sofort", sagte Branson CNBC vergangenes Jahr. "Es war eine aufregende Zeit."

    Ja, ich würde auch gerne in einer Zeit leben, in der ein 15-Jähriger einfach bei Coca Cola anrufen und sagen kann: "OK, Jungs, Kohle bitte." Mit seinem Vinyl-Mailorder machte er mit 23 seine erste Million. Von da an gründete er ein Geschäft nach dem anderen. 1979 schätzte man seinen Reichtum auf 5.000.000 Britische Pfund, was bei dem damaligen Wechselkurs ein paar US-Dollar mehr gewesen sein dürften. Mit 41 machte er seine erste Milliarde. Heute hat Branson etwa 6,5 Milliarden US-Dollar. Er ist unser ärmster und deswegen auch nervigster Milliardär.

    Das ist Bransons Vermögen. Er war der einzige, bei dem ich das mit dem Alter hinbekommen habe

    Wahnsinn: Oh, Richard Branson ist richtig durchgeknallt. Aber sowas von. Ich weiß nicht, wie alt du bist, aber wenn wir grob dem gleichen Jahrgang entsprungen sind, dann erinnerst du dich vielleicht noch an eine Zeit Ende der 90er, als gefühlt jede zweite Nachrichtenmeldung von Richard Branson handelte, der mehrfach versuchte, die Erde in einem Heißluftballon zu umrunden. Als hätte er einen Jules-Vernes-Komplex. Geschafft hat er es nie. Branson stürzte einfach immer wieder ins Meer und machte das OK-Zeichen, wenn er von irgendwelchen Rettungskräften aufgelesen wurde.

    2004 begann er, Fahrkarten ins Weltall zu verkaufen. Eingelöst werden konnte bis heute keine davon. Wirklich bizarr war es allerdings bereits 1996 geworden, als Branson mit Virgin Brides den Markt für Brautmoden aufmischen wollte. Dafür ließ er sich höchstpersönlich und frisch rasiert in einem Brautkleid ablichten. Als dieses Foto entstand, war der Typ rund 1,9 Milliarden US-Dollar wert.

    Halten wir also fest: 1,9 Milliarden US-Dollar sind schlecht für dich.

    Bransons Vermögen und Wahnsinn – jede Investition in heiße Luft, metaphorisch oder wortwörtlich, ist blau markiert Mark Zuckerberg

    Vermögen: Mark Zuckerberg hat sich ganz gut für gemacht – für einen Typen, der die Essenz von "recherchiert bis zur Wirbelsäulenverkrümmung Zehenschuhe im Internet" darstellt. Seine erste Million machte er 2004. Zwei Jahre später wurde daraus seine erste Milliarde. Spätestens seit Facebooks Börsengang ist Zuckerbergs Vermögen extrem eskaliert.

    Heute besitzt er etwa 60 Milliarden US-Dollar. Wie Gates hat er das "Giving Pledge" unterzeichnet und sich für eine Reihe guter Zwecke eingesetzt. Andererseits war da die Sache mit Cambridge Analytica und er hat dieses befremdlich-glubschäugige Wassertrinkding bei seiner Befragung abgezogen. Er ist ein bisschen wie der ältere Freund deiner Cousine, der alles in allem extrem öde ist und in letzter Zeit total auf Bouldern abfährt. Jetzt sitzt er hier in seinem North-Face-Fleece beim Familiengrillen und isst schweigend sein Würstchen mit Nudelsalat. Allerdings ist er Mark Zuckerberg und reicher als Gott.

    Ich glaube, hier stimmt das mit dem Alter halbwegs

    Wahnsinn: Das Fehlen jeglicher nach außen gerichteter Verrücktheit ist genau das, was Zuckerberg so unheimlich macht. Er hat diese unangenehme Nicht-Persönlichkeit eines Männerrechtsaktivisten, der nur rotes Fleisch isst und True-Crime-Bücher liest. Aber gut, insgesamt hat er nichts Verrückteres gemacht als wiederholt-verklagt-zu-Werden, ständig und von allen.

    Es ist schon ein bisschen lustig, dass Mark Zuckerberg anscheinend einfach in Ruhe sein Leben leben, einen Haufen Fleece-Jacken tragen und nebenbei alle Daten von allen Bewohnern dieses Planeten sammeln will. Stattdessen bekommt er pausenlos Probleme, weil er er selbst ist. Wie auch immer. Sein absoluter Verrücktheitshöhepunkt war dieses Wassertrinkding und da hatte er in etwa so viel Kohle wie jetzt. Also: 60 Milliarden US-Dollar sind schlecht für dich.

    Blau markiert: Das Wassertrinkding Jeff Bezos

    Vermögen: Bezos ist aktuell der reichste Mensch auf unserem Planeten und solange Amazon Prime nicht aufhört, so unfassbar ätzend praktisch zu sein, wird sich daran auch nichts ändern. Der frühe Bezos war höchstwahrscheinlich ein "liest jeden Tag das komplette Internet"-Typ, der unfähig war, sich Hemden zu kaufen, die ihm passen. Vor ein paar Jahren hat er aber eine totale Kehrtwende vollzogen. Er fing an, pumpen zu gehen und Daunenwesten zu tragen. Wie dem auch sei. Sein Vermögen wird momentan auf 159 Milliarden US-Dollar geschätzt und er sieht aus, als könnte er dich problemlos über seinen Kopf heben. Wie es scheint, ist der reichste Nerd zu einem Bond-Bösewicht mutiert, was bedeutet, dass wir alle dem Untergang geweiht sind.

    Ja, ich habe auch hier das Alter richtig hinbekommen. Ich habe wirklich unglaublich lang an diesen Diagrammen rumgebastelt, die du allerhöchstens überfliegst. Hast du dir eine davon mal genauer angeschaut? Natürlich hast du das nicht. Hätte ich auch nicht. Es ist OK. Ich wollte nur sagen, dass ich mir richtig Mühe gegeben habe

    Wahnsinn: Wenn Milliardär zu sein zutiefst unmoralisch ist, ist Bezos das perfekte Beispiel dafür. Er hat genug Geld, jedem Amazon-Angestellten 10.000 US-Dollar in die Hand zu drücken, und wäre immer noch der reichste Mensch der Welt.*** Sein Imperium hat er auf den Rücken von hunderttausenden Lagerarbeiterinnen und -arbeitern aufgebaut, die aus Angst, gefeuert zu werden, keine Pinkelpausen machen oder in der Nähe ihres Arbeitsplatzes zelten, um ihre Anfahrtszeit zu reduzieren. Wie die meisten unserer Milliardäre hat sich auch Bezos an der Raumfahrt versucht.

    Warum glaubt eigentlich jeder mit vier Milliarden US-Dollar aufwärts, dass er die Probleme der Raumfahrt lösen kann, wenn die NASA mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung noch immer Problemen hat? Fangt lieber mit fliegenden Autos an und arbeitet euch von da aus langsam hoch!

    Etwas widerwillig versucht sich auch Bezos an wohltätigen Taten, die wahre Meise des Geek-Vin-Diesels zeigt sich aber in seinen fraglos erfolgreichen Führungsqualitäten und seiner Einstellung zu Arbeit. Folgendes habe ich mir von Bezos englischsprachiger Wikipedia-Seite zusammengemopst:

    Bezos beraumt keine frühen Meetings an und setzt mit Vorliebe die zwei-Pizza-Regel durch. Das heißt, es dürfen nur so viele Menschen im Meeting sein, dass alle von zwei Pizzen satt werden. Bei Vorstellungsgesprächen interessieren ihn drei Dinge: Kann er die Person bewundern, kann die Person das bisherige Niveau heben und unter welchen Umständen könnte die Person zu einem Vorbild werden? Statt Power-Point-Präsentationen sollen höhere Mitarbeiter Informationen in sechsseitigen Texten präsentieren. Bezos hat immer noch die E-Mail-Adresse [email protected], über die Kunden ihn und die Firma erreichen können. Auch wenn er auf die E-Mails nicht antwortet, leitet er einige davon mit einem Fragezeichen in der Betreffzeile an Führungskräfte weiter, die versuchen, auf die Problem einzugehen.

    Einerseits ist diese Fragezeichen-Geschichte so soziopathisch und unheimlich, wie es nur geht. Andererseits besitzt jemand, der anscheinend kaum eine E-Mail schreiben kann, ein Vermögen von über 150 Milliarden US-Dollar. Wer ist also am Ende der Idiot? Natürlich ich.

    Blau Elon Musk

    Vermögen: Elon Musks Vermögen mag ich von allen am liebsten. Er hat quasi ein Nerd-Unternehmen nach dem anderem gegründet und Millionen gemacht, die schließlich zu Milliarden wurden. Seine erste Software-Firma, Zip2, brachte ihm 22 Millionen US-Dollar, als er sie 1999 verkaufte. Einen Monat später gründete er X.com, das sich ein Jahr später mit Confinity vereinte und zu dem PayPal wurde, das wir alle kennen, lieben und für schlecht durchdachte eBay-Käufe benutzen.

    Durch den Verkauf von PayPal 2002 machte Musk 180 Millionen US-Dollar. Er steckte alles in drei Unternehmen: SpaceX, die wohl teuerste Ego-Massage der Welt; Tesla, ein auf dem Papier gigantischer Elektroauto-Hersteller, obwohl du niemanden kennst, der so ein Teil fährt; und SolarCity, eine Solarenergie-Firma mit Hauptsitz in Kalifornien. Als er diese drei Investitionen tätigte, musste sich Musk laut eigener Aussage Geld leihen, um seine Miete zahlen zu können. Heute besitzt er 20 Milliarden US-Dollar und hat einen Tesla ins All geschossen. Ja? Was hast du in deinem Leben geleistet?

    OK, hier stimmt das Alter überhaupt nicht

    Wahnsinn: Elon Musks Wahnsinn mag ich am liebsten von allen, weil er dieses Jahr konzentriert in Erscheinung getreten ist. Er begann, Grimes zu daten; lud Azealia Banks zu sich nach Hause ein, damit sie ihm bei Twittern zugucken konnte; ließ den Tesla-Kurs mit besagtem Twittern mehrmals einbrechen; hat einen Höhlentaucher nicht ein-, nicht zwei-, sondern dreimal einen Pädophilen genannt; er hat in einem Podcast vor laufender Kamera gekifft und ein verdammtes Auto mit einer Rakete ins Weltall geschossen. Sein Vermögen bewegt sich um 20 Milliarden US-Dollar, obwohl er ständig high ist, zu weinen anfängt oder mutige Retter "Pädo" nennt. Wir können also mit Sicherheit sagen: 20 Milliarden US-Dollar sind nicht gut für dich.

    Aber hat der ganze Wahnsinn bei Musk nicht vielleicht schon früher angefangen? Wenn du den 2010 in Marie Claire erschienen Artikel gelesen hast, in dem seine Ex-Frau erzählt, wie er sie, um sie rumzukriegen, unbeholfen mit zwei Fäusten voll schmelzendem Schokoladeneis überfällt und ihr ein paar Jahre später, am Ende ihrer Ehe, droht, sie zu feuern, dann denkst du wahrscheinlich: Ja.

    2001, nachdem Musk PayPal verlassen hatte, war er plötzlich ganz besessen davon, paarungswillige Mäuse auf den Mars zu schießen. Als sich in seinem Hirn die Idee der Space-(Se)X-Nager (im Detail in Musks Biografie von Ashlee Vance nachzulesen) formte, lag sein geschätztes Vermögen bei 165 Millionen US-Dollar. Musk war so reich, dass er versuchte, Biker Mice from Mars Realität werden zu lassen. Was schließen wir daraus? 165 Millionen US-Dollar sind schlecht für dich.

    Besonders ausgeprägter Wahnsinn wie gewohnt in Blau. Bei 165 Millionen haben wir die Space-Mäuse und bei 22 Milliarden US-Dollar Grimes, Gras etc. pp. Fazit

    Bill Gates und Jeff Bezos heben sich gegenseitig auf: Gates ist seit über 30 Jahren unfassbar reich und an keinem Punkt übermäßig komisch gewesen. Bezos ist seit 20 Jahren unfassbar reich und ständig irgendwie komisch gewesen. Beide stellen die gegenüberliegenden Pole im Milliardärs-Wahnsinn dar. Sie treffen sich also genau in der Mitte und neutralisieren sich. Mark Zuckerberg ist durch und durch "weird", aber hat nie irgendwas gebracht, das bekloppt genug gewesen wäre, ihn interessant zu machen. Als unser jüngster Milliardär hat er aber noch genug Zeit und Geld, das nachzuholen. Erinnerst du dich noch daran, als der Typ von #StopKony splitternackt und fluchend durch die Gegend gerannt ist und vor parkenden Autos masturbierte? Ich glaube, wir werden irgendetwas in der Art von Zuckerberg erleben. Da kommt noch was.

    Übrig bleiben zwei richtig bekloppte Milliardäre: Elon Musk, der bei einem Kontostand von 165 Millionen US-Dollar ein paar liebeshungrige Mäuse ins Weltall schießen wollte, und Richard Branson, der in den 90ern extrem eigen wurde, sich in Brautkleider warf und einen auf Jules Verne machte. Bei dem einen lockerten sich die Schrauben bei 165 Millionen, beim anderen bei 1,5 Milliarden US-Dollar. Wir können also die Differenz abziehen und sagen, dass folgender Betrag dich durchdrehen lässt. Warum? Darum:

    832.500.000 US-Dollar

    Bitte versuche, niemals so viel Geld zu machen. Danke!

    *Weil die Börse die Börse ist, ist die Tesla-Aktie inzwischen wieder ordentlich nach oben geklettert. Musk hat sein Geld also längst wieder drin. Diese schrecklich langweilige Fußnote steht hier nur, um den ganzen "Moment mal, …"-Klugscheißer-Kommentaren bei Facebook und Twitter zuvorzukommen.

    **In einem Bill-Gates-Porträt von 1986 bin ich über einen mehr als erstaunlichen Satz gestolpert. Damals hieß es, dass der Microsoft-Mogul eine Art Frauenheld und Bleifuß sei, der einen extra-alten Diesel-Mercedes fährt, um sich zu zügeln. Sorry, aber Bill Gates ist kein Frauenheld. Das glaubt doch kein Mensch. Wir wollen ihn gern gut dastehen lassen, aber es gibt Grenzen.

    ***Im April 2018 haben weltweit 563.100 Menschen bei Amazon gearbeitet. Bezos müsste insgesamt also 56,3 Milliarden US-Dollar auf den Tisch legen, wenn er jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin 10.000 Dollar schenken wollte. Bei seinem Gesamtvermögen eher Peanuts. Und wahrscheinlich hätte er diese Summe innerhalb eines Jahres wieder am Start, weil ich so viele Pfannenwender, selbstklebende Wandhaken und Bücher, die ich eh nie lese, bei seinem Laden bestelle und mir direkt ins Büro liefern lasse.

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    Was wir über den Überfall auf eine Shisha-Bar in Kreuzberg wissen

    Was wir über den Überfall auf eine Shisha-Bar in Kreuzberg wissen


    Fünf Autos rollen kurz vor Mitternacht vor einer Shisha-Bar in Berlin-Kreuzberg an. Etwa 30 Personen steigen aus – und stürmen mit gezogenen Schlagstöcken auf die Bar "Smaragd" zu. Zuerst zertrümmern sie die Möbel im Außenbereich, dann greifen...

    Fünf Autos rollen kurz vor Mitternacht vor einer Shisha-Bar in Berlin-Kreuzberg an. Etwa 30 Personen steigen aus – und stürmen mit gezogenen Schlagstöcken auf die Bar "Smaragd" zu. Zuerst zertrümmern sie die Möbel im Außenbereich, dann greifen sie die Gäste der Bar an.

    So beschreiben Augenzeugen und Anwohner, was am Samstag in der Manteuffelstraße passiert sein soll, mehr ist auch der Polizei bisher nicht zu dem Vorfall bekannt. Das liegt auch daran, dass nicht nur die Täter, sondern auch alle Opfer inklusive der Bar-Mitarbeiter bereits geflohen waren, als die Polizei kurz nach Mitternacht eintraf. Erst im Laufe des Montags sollen weitere Informationen zu den Opfern herausgegeben werden, sagt ein Sprecher der Polizei gegenüber VICE.

    Jetzt ermittelt das für kriminelle arabische Großfamilien zuständige Fachkommissariat des LKA Berlin wegen besonders schwerem Landfriedensbruch. Doch dass der Überfall wirklich im Zusammenhang mit arabischen Familienclans steht, kann die Polizei noch nicht bestätigen. "Wir ermitteln offen", sagt ein Polizeisprecher. Es gebe derzeit keine Informationen darüber, wer Ziel des brutalen Überfalls war und wer ausgeteilt hat.

    Die Polizei prüfe auch, ob der Vorfall in Zusammenhang mit vorherigen Übergriffen auf Bars in Berlin steht. So wurden Anfang September mehrere Schüsse auf eine Bar in Neukölln abgefeuert. Das Ziel war damals eine Sportsbar am Britzer Damm, Unbekannte schossen aus einem schwarzen SUV und trafen zwei Mitglieder der Großfamilie C.. Ein Mann verfolgte die Täter danach in einem Mercedes, musste aber abbrechen, als die aus dem fahrenden Auto das Feuer auf ihn eröffneten. Jetzt ermittelt die 5. Mordkommission.

    Der Überfall vom Samstag war nicht der einzige auf eine Berliner Shisha-Bar am Wochenende. In der Nacht zum Sonntag haben zwei maskierte 18-Jährige mit einer Machete eine Shisha-Bar in Berlin-Hermsdorf überfallen und ausgeraubt. Laut Polizei ging es in dem Fall aber wohl wirklich nur um das Geld.

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    5 News vom Wochenende, die du nicht verpasst haben solltest

    5 News vom Wochenende, die du nicht verpasst haben solltest


    Sind inzwischen alle aus dem Urlaub zurück? Hoffentlich nicht über den Flughafen Manchester. Von dort stammt eines der viralsten Videos der letzten Tage: Mit ähnlich viel Feingefühl agierte die Bundesregierung in den vergangenen Wochen: Die...

    Sind inzwischen alle aus dem Urlaub zurück? Hoffentlich nicht über den Flughafen Manchester. Von dort stammt eines der viralsten Videos der letzten Tage:

    Mit ähnlich viel Feingefühl agierte die Bundesregierung in den vergangenen Wochen: Die Parteivorsitzenden machten am Sonntagabend noch mal Überstunden wegen der Personalie Hans-Georg Maaßen – und haben sich nun endlich geeinigt. Außerdem in den Hangover News: Ein Schweizer "Burkaverbot" trifft vor allem Fußballfans, in Berlin demonstrieren Tausende gegen Abtreibungen. Ein Kandidat für das US-Repräsentantenhaus hat einen sehr überraschenden – und sehr harten – Wahlwerbespot veröffentlicht und eine Studentin erlangt Berühmtheit, weil sie beim Verfassen einer Hausarbeit besser hätte aufpassen sollen.

    Maaßen wird "Sonderberater" – was heißt das eigentlich?

    Das wochenlange Gezerre um Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen scheint endlich ein Ende zu haben. Horst Seehofer hat gestern so überstürzt eine Pressekonferenz abgehalten, dass einige Fernsehteams noch nicht einmal genug Zeit hatten, ihr Equipment aufzubauen. Dabei sagte der CSU-Innenminister, dass Maaßen nun doch nicht Staatssekretär mit rund 2.500 Euro Gehaltsplus werde – es bleibt bei rund 11.500 Euro monatlich brutto für ihn. Stattdessen wird er "Sonderberater" im Innenministerium und ist im Rang eines Abteilungsleiters zuständig für "europäische und internationale Aufgaben". Damit ist er künftig derjenige, der mit afrikanischen und europäischen Ländern Rücknahmeabkommen zu ausreisepflichtigen Ausländern aushandelt. Zur Erinnerung: Maaßen war nach den rechten Ausschreitungen von Chemnitz kritisiert worden, weil er die Echtheit eines Videos angezweifelt hatte, das zeigte, wie Neonazis anderen Menschen hinterherjagten.

    Schweizer Kanton St. Gallen stimmt für Verhüllungsverbot Verhüllter Schweizer Fußball-Fan || Foto: imago | Ulmer

    Nach dem Tessin wird St. Gallen der zweite Schweizer Kanton mit "Burkaverbot". Gestern haben bei einer Abstimmung rund zwei Drittel der Wähler für ein sogenanntes Gesichtsverhüllungsverbot gestimmt. Im Tessin gilt ein Verhüllungsverbot bereits seit zwei Jahren und die Zahlen dort stellen den Sinn solcher Gesetze ziemlich eindrucksvoll in Frage: Bisher gab es rund 50 Fälle, in denen das Gesetz angewandt wurde – rund 40 davon wegen vermummter Fußballfans, schreibt Zeit Online.

    Aus deutscher Sicht braucht sich auch niemand den Schweizern überlegen fühlen, denn am Samstag hat auch die regierende Landes-CDU in Baden-Württemberg entschieden, dass es dort künftig ein "Burkaverbot" geben solle. Überraschend sei beim Parteitag am Samstag ein entsprechender Antrag der Jungen Union angenommen worden, berichtet der SWR. Da die CDU in Baden-Württemberg mit den Grünen regiert, werden sie sich mit ihrem Vorstoß allerdings kaum durchsetzen.

    Rund 5.000 Menschen demonstrieren in Berlin gegen Abtreibungen

    Wer glaubt, dass erbitterte Abtreibungsgegner nur ein Phänomen in den USA sind, irrt: In Berlin sind am Wochenende schon zum 14. Mal Menschen beim "Marsch für das Leben" auf die Straße gegangen. Rund 5.000 sollen es dieses Mal gewesen sein – und sie haben die Unterstützung vieler Gruppen auf ihrer Seite. Volker Kauder, Vorsitzenden der Unions-Fraktion im Bundestag, etwa ließ ein Grußwort auf der Bühne verlesen. Vertreter sowohl der Katholischen als auch der Evangelischen Kirche liefen mit – und einige Mitglieder der "Christen in der AfD". Szenebekannte Rechte waren auch dabei.

    Eine Gegendemo kam auf rund 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

    Dieser Wahlkampfspot hat einen extrem krassen Twist

    Paul Gosar ist in den USA ein ziemlich typischer Trump-Fan, der für die Republikaner im Repräsentantenhaus sitzt: Er gehört zur radikalen Tea Party-Bewegung, kommt aus Arizona und hat beim letzten Mal seinen Wahlkreis mit 71,5 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Politik, die er seitdem gefahren hat, gefällt aber nicht allen: Sein Gegner David Brill von den Demokraten hat deshalb eine Gruppe von Bürgern zusammengetrommelt, die gegen Gosar wettern. Mehr wollen wir mal gar nicht erklären, der Spot nimmt eine ziemlich hervorragende Wende:

    Gosar selbst hat auf Twitter geantwortet und bellt: "Stalin wäre stolz."

    Immerhin eine Sache dürfte bei Gosar für gute Stimmung sorgen: Seinem Konkurrenten werden bei den Midterms am 6. November laut ABC News' Fivethirtyeight kaum Chancen eingeräumt, zu gewinnen.

    Diese Studentin hätte vor der Abgabe ihrer Hausarbeit noch einmal genauer draufschauen sollen

    Zum Abschluss noch eine Lektion für die kommende Woche: Nie mit "lustigen" Platzhaltern zum später-noch-Ersetzen ein Dokument beginnen. Zoey Oxley aus Ohio hat das so gemacht und auf einem Paper für ihre Uni den Namen des Dozenten als "Professor whats his nuts" angegeben – und dann aus Versehen eingereicht.

    Doch, siehe da, der Prof fand es nicht so schlimm. Er twitterte sogar amüsiert darüber und hat seinen Anzeigenamen auf der Plattform seitdem geändert.

    Und auf Twitter melden sich Leidensgenossen. Stellt sich raus: Oxley ist definitiv nicht allein mit ihrer Erfahrung.

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    Tiefrot und sinnlich: Diese Fotografin erforscht ihre mexikanischen Wurzeln

    Tiefrot und sinnlich: Diese Fotografin erforscht ihre mexikanischen Wurzeln


    Dieser Artikel stammt aus der Privacy and Perception Issue des VICE Magazine, die in Zusammenarbeit mit Broadly produziert wurde. Mehr Geschichten aus dem Heft kannst du hier lesen.Cristina Bartley Dominguez lebte als Kind im Mittleren Westen der USA....

    Dieser Artikel stammt aus der Privacy and Perception Issue des VICE Magazine, die in Zusammenarbeit mit Broadly produziert wurde. Mehr Geschichten aus dem Heft kannst du hier lesen.

    Cristina Bartley Dominguez lebte als Kind im Mittleren Westen der USA. In der Vorstadt, umgeben von Weißen, fiel es ihr schwer, den mexikanischen Teil ihrer Abstammung anzunehmen. Als sie 13 war, zog ihre Familie nach Las Vegas und Bartley Dominguez lernte endliche ihre vernachlässigten Wurzeln kennen. So entstand der Fokus ihres Fotografiestudiums an der Parsons School of Design in New York City: die Politik der Identität und die verschiedenen Bemühungen, seine persönliche Identität zu feiern oder zu verschleiern.

    Mittlerweile ist sie 24 und untersucht weiterhin verschiedene Aspekte ihrer Identität. In der neuesten, hier gezeigten Reihe, will sie den gesellschaftlichen Umgang mit den Randgruppen ihrer Community untersuchen und kommentieren. Bartley Dominguez sagt, sie setze weibliche Akte und Sexualität als Statements für weibliche Kraft ein.

    Durch Sexualität wolle sie keine Lust wecken, sagt Bartley Dominguez, sondern eine Verbindung eingehen – "mit der Natur, der Seele und meiner Abstammung".

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    Video: Viel Schein, kaum Sein – Das Geschäft mit Luxusautos

    Video: Viel Schein, kaum Sein – Das Geschäft mit Luxusautos


    Miami ist eine Stadt, in der Geld und Status viel bedeuten. Und wie zeigt man der Welt besser, dass man wer ist, als mit einem exotischen Luxusauto? Jeder will eins, nicht jeder kann sich eins leisten. Deswegen haben in der US-Metropole mehrere...

    Miami ist eine Stadt, in der Geld und Status viel bedeuten. Und wie zeigt man der Welt besser, dass man wer ist, als mit einem exotischen Luxusauto? Jeder will eins, nicht jeder kann sich eins leisten. Deswegen haben in der US-Metropole mehrere Unternehmer Mietservices für Luxusautos gegründet. Ihre Kunden: Sportler, Musiker und auch Otto Normalverbraucher, die ordentlich protzen wollen.

    Es ist ein lukratives Geschäft. Wo fette Gewinne winken, will jeder mitmachen. Die Leute, die Ferraris, Bentleys, Rolls Royces und Lamborghinis vermieten, sind aber nicht immer seriös. Um zu verstehen, wie genau das Leihgeschäft mit den Luxusautos abläuft, haben wir uns mit dem Chef eines rechtmäßigen Mietunternehmens sowie mit einem nicht ganz so rechtmäßigen Unternehmer getroffen.

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    Video: So geht es in den vier Wänden von Sexarbeiterinnen zu

    Video: So geht es in den vier Wänden von Sexarbeiterinnen zu


    Die Fotografin Lindsay Irene ist nach Toronto geflogen, um dort den überraschend normalen Alltag mehrerer Sexarbeiterinnen zu dokumentieren. Dazu gehört auch ein Shooting in den eigenen vier Wänden der Frauen. Irene will mit ihrem Projekt ein...

    Die Fotografin Lindsay Irene ist nach Toronto geflogen, um dort den überraschend normalen Alltag mehrerer Sexarbeiterinnen zu dokumentieren. Dazu gehört auch ein Shooting in den eigenen vier Wänden der Frauen. Irene will mit ihrem Projekt ein besseres Verständnis für diesen Berufszweig aufbauen, dem leider immer noch viele Vorurteile anhaften. Wir haben sie mit der Kamera begleitet.

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    Vertrautheit in der Fremde: Fotos aus der arabischen Diaspora

    Vertrautheit in der Fremde: Fotos aus der arabischen Diaspora


    Dieser Artikel stammt aus der Privacy and Perception Issue des VICE Magazine, die in Zusammenarbeit mit Broadly produziert wurde. Mehr Geschichten aus dem Heft kannst du hier lesen.Als Farah Al Qasimi nach New York City zog, fühlte sie sich einsam. Sie...

    Dieser Artikel stammt aus der Privacy and Perception Issue des VICE Magazine, die in Zusammenarbeit mit Broadly produziert wurde. Mehr Geschichten aus dem Heft kannst du hier lesen.

    Als Farah Al Qasimi nach New York City zog, fühlte sie sich einsam. Sie schaute sich nach Orten um, die sie an ihre Heimat in den Vereinigten Arabischen Emiraten erinnerten. Sie habe "ein Gefühl der Intimität gesucht, dass keine körperliche Nähe braucht", sagt sie. Sie suchte nach Vertrautem; nach Straßen, in denen sie ihre Muttersprache hörte; nach heimischen Speisen, die an ihrem neuen Wohnort seltene Delikatessen waren. Schließlich gestaltete sie ihre Suche zutiefst amerikanisch: Sie machte einen Roadtrip durch die gesamten USA, um in Städten wie Houston, Las Vegas, Paterson und Los Angeles die mehrheitlich arabischen Viertel zu fotografieren.

    "Ich habe mich dafür interessiert, welche Teile ihrer Kultur eine Diaspora zurücklässt, welche sie mitnimmt und welche zur Ware werden, wie Bauchtänzerinnen, Wahrsager und Shisha-Bars", erklärt Al Qasimi. Dabei sei ihr auch aufgefallen, wie sich Geschlechterrollen auswirken können: Viele arabischstämmige Menschen würden in der neuen Heimat zum ersten Mal als ethnische Minderheit wahrgenommen. Al Qasimi meint, diesen Machtverlust empfänden viele Männer als eine Art "Entmännlichung".

    Auch bei VICE: Kulinarischer Road Trip durch Nordkalifornien

    Ihre Serie sieht Al Qasimi außerdem als Hommage an The Americans, das Nachkriegsfotobuch, in dem Robert Frank Arbeiter, Reichtum und Rassentrennung in den USA der 1950er zeigte. Ein hoher Anspruch, doch Frank ist keine abwegige Ikone für Al Qasimi: Auch sie versucht zu sehen, was andere außer Acht lassen – und was uns dennoch bekannt vorkommt.

    "Mit Bildern können wir jenseits von Sprache Informationen teilen", sagt sie. "Es kann unglaublich tröstend sein oder erleichternd, einfach nur zu sehen, was jemand anderes für einen Tag hatte."

    In anderen Worten: Es gibt immer einen Weg, zu Hause zu sein.

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